12/3 43. In Erwartung der Rückkehr Duschkas und Animas aus Plettenberg. Die Iden des März. Nachts Brief an Jünger entworfen: Fabelhafte oder fatum Situation: die S. Dominick im Maelstrom. Benito Cereno sagt sich: Besser durch sie sterben als für sie. Solche taciteische Zuspitzungen lassen Schulworte wie „existenziell“ weit hinter sich. Gruß ihres Cereno. Die Uhr schlägt 2; der Hunger schlägt zu.
Schlug morgens auf: Hiob 24,14 (an H. unter dem Einfluß von Oetinger). Vormittags: Sonderbarer, freudiger Schock durch den schönen Brief von Bruno Brehm zu „Land und Meer“; sah plötzlich wieder eine Wirkung und Wirkungsmöglichkeiten, Illusion, aber vielleicht das erste Mal, seit meiner publizistischen Tätigkeit, daß ich eine ganz freie Wirkung erlebte; alles bisherige eingezwängt im Fachlich-Beruflichen. Alter Knabe, fängst du dein Leben an? Rührende Illusionen, Begleiterscheinungen des Endes. Schön der Satz: „Warum erzählt Schmitt das einem Mädchen und nicht uns Männern?“ Nachmittags holte ich Duschka und Anima in Potsdam ab (17.24). Sie kamen pünktlich an, bei herrlichem Wetter, das mich an Plettenberg erinnerte. Abends tranken wir spanischen Cognac und aßen rumänischen Käse. Der Berliner, der auf den Käse paßte, woraufhin die Berliner Snobs diesen Käse besonders delikat fanden, das ist das Symbol; was sie heute an Begriffen und Schlagworten fressen, ist noch viel schlimmer.