Dienstag, 13. April 1943

  • Tagebucheintrag, Buch 19618

    . Luk. 4.38 (Gebot dem Fieber und es verließ sie).⁠ Herrliches Wetter, sodaß ich mit Anima einen Spaziergang machen wollte. Telegramm aus Lissabon, was mich sehr freute, soll dort einen Vortrag halten.⁠ Armes Vögelchen, flieg dorthin. Sprach mit Alfons Adams, machte mit Anima einen Spaziergang, wir fuhren nach Krumme Lanke und gingen durch den Wald zurück, unterwegs ins Wasser gefallen, von einem kleinen Floß, das am Ufer stand. Große Liebe zu Anima, am Grab von Hahm auf dem Waldfriedhof, Engel des Herrn gebetet, ein Vaterunser am Grab von Frau Popitz. Nach dem Essen schön ausgeruht. Um 5 kam Josef Wagner, tranken Kaffee, machten einen Spaziergang, trank nachher noch eine Flasche Trarbacher,⁠ meine letzte. Er sprach nicht von seinem Angebot, mir Wein zu besorgen; will in die „Privatwirtschaft“, wollte mit Schnitzler sprechen, sonderbare Mischung von Interesse, Identifikation sogar, und abstoßende Nazihaftigkeit. Um ½ 8 mit Duschka zu Popitz, dort schönes Abendessen, Rotwein, mit Corrie über ihren Plan, eine Dissertation über die Zeit von 1850-66 zu machen, Spielhagens Problematische Naturen, Gutzkows Ritter vom Geist, Popitz war lieb und freundlich und besonders gegen Duschka rührend. Bestätigte die Erzählung Heibers über Eltz von Rübenach. Um 1 nach Hause, zu Fuß. Traurig zu Bett.

    Die Macht ist das Unmenschliche oder Übermenschliche. Die Macht und der Besitz der Macht ist die Umschaltung des Offenen in das Geschlossene, verwandelt ein have not in ein have; den, der eine Zukunft hat, in einen, der nur noch Gegenwart und Vergangenheit ist. Mitleid ist das Offene und das Menschliche, Machtbesitz, Machtwahrung und Machtbehauptung die furchtbare Verengung auf den status quo. Die ersten Christen, Franziskaner, Rousseauisten (Jakobiner), Sozialisten und Kommunisten waren „Menschen“. Dann bekamen sie ein Stück Macht und verwandelten sich in Schinder und Schinderknechte, in verschworene Gemeinschaften zur Machtbehauptung. Ist nun der Übermensch Nietzsche der Beginn der Unschuld der Macht? Das ist der Gipfel der Dreistigkeit, die hemmungsloseste Selbstverschließung gibt sich hier als Aufbruch in die Freiheit. Konnte nur ansteigen. Überwindung des Bösen durch den Willen zum Bösen, Bewußtseinswille zum Bösen, verzweifelt das sein wollen, was man ist. Armer Bösewicht. .

    Das also ist Macht. Wir drehen an einem Schalter und es geht ein Licht an; Millionen solcher Mächtigungen nimmt der Großstädter täglich vor; er drückt auf den Knopf und es geht eine Tür auf usw. Das ist seine „Macht“ und das sein Wille zur Macht; und das ist der Übermensch; und du meldest noch den Atufall⁠ der Oberstkommandierenden der deutschen Wehrmacht und den „Macht“betrug der deutschen Besatzer an? Machtrausch der Autofahrer, der Flieger. Wie wunderbar richtig der Satz von Comte: Es hat etwas Herabwürdigendes, daran beteiligt zu sein!

    Der lustige Fehler Duschkas:⁠ Man hat ihr was zu Schulden kommen lassen.

    Einen guten Vortrag, eine gute Vorlesung halten: Du mußt die Hörer halten, du stellst eine Stange her, an die die Hörerheit angeschnallt wird, wie ein starker Mann einen am Buckel faßt und eine Stunde lang zum Fenster hinaushält. Das ist sehr anstrengend, aber anders ist es nicht zu machen. Andere Vorträge, die sehr selten sind: Die Hörer, oder einige von ihnen, entwickeln den Gedanken mit; das ist ein unerhörter, lustvoller Prozeß, übrigens selten, pneumatisch σπερματικοs. Andere Vorträge: Du schenkst Schnaps aus, gibst ein paar Phrasen zu saufen, alle sind begeistert, weil sie begeistert sein wollen; es braucht nicht einmal guter Schnaps zu sein, der Wille zum Rausch, der Wille, sich betäuben zu lassen, tut das Seine; du brauchst kaum nachzuhelfen, mit deinen kümmerlichen Redensarten.

    Die Nachteile (d. h. deutsche , Deutsch[-], die Sächsische Schweiz und die deutsche . Pfui Teufel!

    Dienstag, 13/4 43. Luk. 4.38 (Gebot dem Fieber und es verließ sie Und er stund auf aus der Schule, und kam in Simons Haus. Und Simons Schwieger war mit einem harten Fieber behaftet; und sie baten ihn für sie. Und er trat zu ihr, und gebot dem Fieber, …

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