Donnerstag, 15. April 1943

  • Tagebucheintrag, Buch 19618

    . Luk. 5.21 (Der Pharisäer sagt: Wer kann Sünden vergeben denn Gott?)⁠ Traum: Ahlmann 15000, Eisenbahnfahrt. Recht, Nachruf auf Freytagh-Loringhoven. (Man müßte über solche Todesfälle stundenlang nachdenken, gemeinschaftlich, dann würde man sein eigenes Schicksal deutlicher sehen: Wenn einer deiner Bekannten stirbt, Kollegen, Verwandten, dann stirbt ein Stück von dir selbst; überlege was das heißt.[)] In der Jägerstraße im Reichsbankgebäude die Tafel vom 18/3 48: Der Grenadier Theyssen aus Cochem fiel durch Meuchelmord bei der Revolte; Freundchen, diese Sprache und diese umkurvenden Historikertöne kenne ich doch, das klingt mir ja seit Jahren in den Ohren; diskriminierender Krieg heißt Bürgerkrieg, und nichts anderes. Das mühselige Werk der objektiven Vernunft, das sich im Staats-begriff äußert, ist zerstört. Im Institut Moreau de St Mery, französisches Kolonialrecht des 17/18 Jahrhunderts gelesen, mit Wengler über seinen kolonialrechtlichen Bodenaufsatz gesprochen (Staatseigentum, Staatsland, domainepublic). Wengler über Bruns ( Freytagh-Loringhoven: Er deutet jeden Wunsch als Ultimatum und hat dann das Recht, ihn abzulehnen oder einfach zu schweigen,

    so wie er es in der Fakultätssitzung macht: Schon die Ablehnung der Vorträge ist ein politischer Affront!). Herrliches Wetter, müde nach Hause, todmüde und erschöpft eine Stunde ausgeruht, mit Duschka zu Jessens, 2 Flaschen Wein zurück, von Uwe verabschiedet, der zum Arbeitsdienst kommt, über sein Abitur unterhalten (Geschichtsvortrag über die Reichskanzler 1890–18), Frau Jessen erzählte, ich sehe den Klassengegensatz, der stärker ist als der der Rasse? Vielleicht bei den Deutschen. Traurig nach Hause zurück. Duschka ging krank zu Bett (arme Duschka, ich habe ihr die Nummer der Wehrmacht mit den Bildern der serbischen Truppe und Mihajlowitsch gekauft,⁠ Angst, daß die Anni das sieht), ich aß mit Anima, große Liebe zu dem Kind, Freude an seinen schönen Bewegungen, seiner Vernünftigkeit und Reife. Um 10 Duschka ein Butterbrot gebracht und ein Glas Wermut. Es ging ihr wieder besser. Traurig und müde zu Bett. Um 5 hat Adams angerufen; 2 dringende Telegramme aus Madrid: Verlängerung meines Vortrags untragbar, unerwünschte propagandistische Wirkungen usw. Erpressung und Zwangslage.⁠ Wollte erst nachgeben, nachher tat ich es nicht. Morgen Früh soll Geheimrat Roth anrufen. Das macht mich nervös.

    Donnerstag, 15/4 43. Luk. 5.21 (Der Pharisäer sagt: Wer kann Sünden vergeben denn Gott? Und die Schriftgelehrten und Pharisäer fingen an, zu denken, und sprachen: Wer ist der, daß er Gotteslästerungen redet? Wer kann Sünden vergeben, denn allein Gott?) Traum: Ahlmann 15000, Eisenbahnfahrt. Recht, Nachruf auf Freytagh-Loringhoven …

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