Montag, 10. Mai 1943

  • Tagebucheintrag, Buch 19618

    . 2 Kö. 10 (Verehren die Goldenen Kälber).⁠ Um ½ 6 wach, konnte nicht wieder einschlafen, müde um 8 aufgestanden, dann aber schnell frisch und zurechtgemacht für den Besuch bei Geheimrat Roth. Herrliches Wetter, zum Thielplatz. Wie lange noch, Gottes Langmut, mein armes Kind Anima. Fuhr zum Kaiserhof, ging zur Kronenstraße, kulturpolitische Abteilung, Geheimrat Roth, traf ihn um ½ 10, nettes Gespräch mit einem vorsichtigen Bürokraten, brachte ihm 2 Durchschläge meines Vortrages, sagte ihm, daß ich

    den Vortrag⁠ auf Spanisch halten will, was ihn zu freuen schien.⁠ Er war höflich und zurückhaltend, aber nicht unangenehm. Ging zufrieden weg, bei schönem Wetter, zur Bibliothek, holte mir einige Bücher, wollte mir den Fall Mauritius von Wassermann holen,⁠ aber der Bibliothekar Keydell gab ihn mir nur für den Lesesaal her, ich fand das sehr traurig und lächerlich, daß ich einfach schweigend aus dem Zimmer herausging. Es wurmte mich noch lange; auch die Frage, ob ich mich richtig verhalten hatte. Dann hielt ich meine Vorlesung Verfassung vor überfülltem Auditorium; nachher kam ein Student Hantinger?⁠ (Thüringer) und fragte, ob es denn recht sei, daß der Parteigenosse vor dem Volksgenossen privilegiert ist und ob man dann noch sagen könne, daß die Staatsgewalt vom Volke ausgehe. Mit Maiwald über seine Arbeit gesprochen, den Liberalismus des Prisenrechtes, den Widerstand der Admirale.⁠ Er geht übermorgen in die Klausur des Assessorexamens, hat sich an den Ministerialrat Eccardt gewandt usw. Zu Hause versucht auszuruhen, um ½ 5 zum Rundfunkhaus, mit Anima⁠ zum Bahnhof Thielplatz, von dort zum Adolf Hitler Platz mit der U-Bahn (was falsch war, denn ich hätte mit dem Autobus M fahren können). Rumänische Musikstunde, neben Frau Sombart und dem alten Falk,⁠ der mich nicht ansprach. Lächerliche Situation, traurig diese Pseudo-Gesellschaft. Der rumänische Dirigent war sympathisch, eine herrliche pastorale Stelle in der rumänischen Rhapsodie von Enescu, mioritisch.⁠ Frau Sombart war sehr hübsch und reizend. Ich war nicht zum anschließenden Empfang eingeladen und fuhr um 7 einsam mit dem Autobus nach Hause. Lernte etwas Spanisch. Zu Hause war Medem. Wir unterhielten uns schön über Polen (täglich 250 Tote in Polen; über Losacker, den Gehirnspezialisten in Lemberg, die deutsche Methode und die bolschewistische, Streit zwischen der inneren Verwaltung und der Polizei, die hilflose Lage der Verwaltung zwischen Partei und Polizei), mit Medem schöner Moselwein (Ediger Osterlämmchen und Rauenthaler getrunken). Um 12 begleitete ich ihn zur S-Bahn. Er fährt morgen nach Lemberg zurück. (Frank wollte Ehrendoktor von Modena und Bologna werden, durch unmittelbare Befehle vertreten).

    Montag, 10/5 43. 2 Kö. 10 (Verehren die Goldenen Kälber). Um ½ 6 wach, konnte nicht wieder einschlafen, müde um 8 aufgestanden, dann aber schnell frisch und zurechtgemacht für den Besuch bei Geheimrat Roth. Herrliches Wetter, zum Thielplatz. Wie lange noch, Gottes Langmut, mein armes Kind …

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