Donnerstag, 5/8 43. Behaglich am Schreibtisch, furchtbarer Durst, aber kein Mineralwasser aufzutreiben; die pomadige Anna strengt sich auch nicht an. Gespräch mit Broermann vom Verlag Duncker Humblot; er ist ganz ruhig, sympathischer Westfale, Walz will Bilfinger oder Jahrreiß zum Leiter der ZFV. machen, lächerlich, der arme sinnliche Bilfinger und der Luftikus Jahrreiß. Schrieb an Moncada nach Wien und schickte ihm die 3 Arten für seinen Vater, Rugina rief an, mit Augusta von Oertzen für Montag Nachmittag, die Direktorin der Königin-Luise-Stiftung veranstaltet eine Tagung der Eltern, heute Nachmittag, Pflichtgefühl, hinzugehen, aber es wäre doch Unsinn. Nachmittags meldete sich Graf Podewils an, er kam um 5 zum Kaffee und blieb bis 12! Hatte eine halbe Flasche Cognac mitgebracht, die wir austranken; erzählte von Frankreich, Jünger, geht zur Armee Rommelnach Oberitalien, sprachen über den Kampf gegen das Christentum, er meinte, daß Schlimmste sei schon überwunden, weil man in seinem Dorf die Fronleichnamsprozession wieder zugelassen habe. Rührend. Sah seine Schwäche und Belanglosigkeit und langweilte mich. Um 8 kam Goruneanu ohne Theodorescu, wir tranken Cognac und Portwein, und unterhielten uns, über die Fliegerangriffe, über Rumäniens Lage, ich sprach über geheime Gesetze und Richtertum, die zu erwartende Reaktion auf die Art und Weise, wie der Fascismus (als verfassungswidrig d.h. nicht-liberal-konstitutionell) liquidiert worden ist. Bis 12 auf der Terrasse, dann fuhr der gute Goruneanu den Grafen Podewils nach Hause. Ich habe (durch einen der bekannten Zufälle) Jakob Wassermann gelesen, „Mein Weg als Deutscher und Jude“. Tief ergriffen, aber schließlich doch immer wieder angewidert von dieser Unfähigkeit des Juden, seinen Mund zu halten und bei sich selbst zu bleiben; diese Art Edel- ist die allerscheußlichste , aber ich kann es nicht leugnen, die Menschheit hat 2 Geißeln; was er über „Zentralhexen-Küche“ sagte, die unbegreifliche Art von Haß (der deutsche Haß), in grauenhaftem Sadismus, das alles ist ja wahr. Werde immer mehr auf mich zurückgeworfen, dachte, daß ich eigentlich Popitz anrufen müßte, tat es trotzdem nicht, die Hemmung war zu groß, ich einsamer, armer Katholik; erinnerte mich an den armen Fritz Eisler, der mir zuerst die Bekanntschaft mit den Büchern Wassermanns vermittelt hat; in der Fabel Caspar Hauser„“.
Donnerstag, 5. August 1943
Tagebucheintrag, Buch 19618
Donnerstag, 5/8 43. Behaglich am Schreibtisch, furchtbarer Durst, aber kein Mineralwasser aufzutreiben; die pomadige Anna strengt sich auch nicht an. Gespräch mit Broermann vom Verlag Duncker Humblot; er ist ganz ruhig, sympathischer Westfale, Walz will Bilfinger oder Jahrreiß zum Leiter der ZFV. machen, lächerlich, der arme sinnliche Bilfinger und …
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Genannte Entitäten
Personen
- Anghel N. Rugina (1913-?)
- Anna
- Augusta Oertzen (26.2.1881-26.2.1954)
- Carl Bilfinger (21.1.1879-2.12.1958)
- Clemens Podewils (17.1.1850-14.3.1922)
- Ernst Jünger (29.3.1895-17.2.1998)
- Erwin Rommel (15.11.1891-14.10.1944)
- Goruneaunu Mircea
- Gustav Adolf Walz (15.11.1897-17.12.1948)
- Hans Friedrich Eisler (18.6.1887-27.9.1914)
- Hermann Jahrreiß (19.8.1894-23.10.1992)
- Jakob Wassermann (10.3.1873-1.1.1934)
- Johannes Broermann (17.10.1897-4.11.1984)
- Johannes Popitz (2.12.1884-2.2.1945)
- Kaspar Hauser (1812-1833)
- Luís Cabral Moncada (1888-1974)
- N. N.
- Tudor Arghezi (21.5.1880-14.7.1967)
Werke