Samstag, 25/12 43. Um ½ 5 geweckt, Anima stand auf, ich um 5, wir gingen zusammen im Dunkeln zur Christmette in Eiringhausen, die Kirche war überfüllt, schöne Weihnachtslieder, ein rotblondes Mädchen spielte Orgel, vielleicht Christel Walter, sie spielte sehr sicher, was mir natürlich ungeheuer imponierte. Jugenderinnerungen und Impulse wieder aufgerührt. Anima wollte kommunizieren, die Kinder wurden aber nicht zugelassen. Wir gingen zusammen nach Hause, dort war um 8 Bescherung. Gab Anima den Füllfederhalter aus Budapest; bekam ein Messer mit Pfropfenzieher von Ännchen, die krank war und nach dem Frühstück wieder zu Bett ging. Duschka schwärmte von den serbischen Weihnachten. Ich wußte nicht, was ich tun sollte und ging schließlich in den Keller in mein refugium, las in meiner Verfassungslehre, die ich bei den Büchern von Jup fand, ich wunderte mich über meine frühere Klugheit und Überlegenheit. Heute ist alles aus. Ich müßte ganz neu anfangen, ab ovo, allen Ballast beiseitelassen, stattdessen miete ich in Berlin eine neue Wohnung, völlig sinnlos das alles. Dachte mit großer Sorge an den armen Popitz, der jetzt ohne Hodler einen Alarm hat durchmachen müssen. Mittags schönes Essen, mit Gänsebraten, für den Ännchen aufstand (sie hustete furchtbar, aber offenbar nervös, und kann die familiäre Atmosphäre nicht vertragen). Nach dem Essen gingen wir zum Friedhof an das Grab der Mutter, nahmen den Hund mit, Anima ist lieb und nett, aber sie hält sich fürchterlich. Nachmittags geschlafen, kein Kaffee, herrlichen Kuchen gegessen, das Nordlicht von Emil Langenbach erhalten. Kaltes Abendessen mit Sekt, fabelhaft, ging danach früh zu Bett und schlief bald ein. Las den Junker von Ballantrae. Thieme über Savigny gelesen, im Grunde ist dieser Thieme von lächerlicher Arroganz und Feigheit. Ekel vor diesen Emanationen des protestantischen Pfarrhauses. Nachmittags hat mir Emil Langenbach die 1. Ausgabe von Nordlicht geschickt; wunderbares Geschenk. Tief gerührt, symbolisch.
Samstag, 25. Dezember 1943
1. Weihnachtsfeiertag
Tagebucheintrag, Buch 19618
Samstag, 25/12 43. Um ½ 5 geweckt, Anima stand auf, ich um 5, wir gingen zusammen im Dunkeln zur Christmette in Eiringhausen, die Kirche war überfüllt, schöne Weihnachtslieder, ein rotblondes Mädchen spielte Orgel, vielleicht Christel Walter, sie spielte sehr sicher, was mir natürlich ungeheuer imponierte. Jugenderinnerungen und …
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Genannte Entitäten
Personen
- Anima Schmitt de Otero (20.8.1931-17.6.1983)
- Anna Margarete Schmitt (1902-1954)
- Duška Schmitt (1903-3.12.1950)
- Emil Langenbach (1888-1970)
- Friedrich Carl Savigny (21.2.1779-25.10.1861)
- Hans Thieme (10.8.1906-3.10.2000)
- Johannes Popitz (2.12.1884-2.2.1945)
- Joseph Schmitt (1893-1970)
- Louise Schmitt (1863-1943)
- Otto Hodler (9.4.1901-10.9.1990)
Orte
Werke