Mittwoch, 5. Januar 1944

  • Tagebucheintrag, Buch 19618

    Mittwoch, 5/1 44. Um ½ 7 geweckt, traurig und müde, aber aufgestanden, Duschka hatte Halsschmerzen und blieb im Bett. Trank schönen Kaffee und ging mit Ännchen zur Bahn. Der frühere Zug stand noch da, wir liefen hin, aber ich konnte wegen der Schmerzen im rechten Oberarm nicht mehr in den fahrenden Zug einsteigen. Auf den nächsten gewartet, der aber 45 Minuten Verspätung haben soll, sodaß ich den Anschluß in Hagen nicht mehr bekomme. So standen wir am Bahnhof im Schnee. Ännchen holte die Post. Otto Schmitt kam und meinte, der Krieg dauert noch 2 Jahre. Dann setzten wir uns in den Wartesaal 3. Klasse, las die Post, besonders einen schönen Brief von Vicen aus Madrid,⁠ dann in plötzlichem Entschluß nach Hause zurück. Wer weiß, wozu es gut ist. Zu Hause noch bis 10 im Bett, Duschka war sehr lieb, ich sagte mir: „Noch eine kurze Zeit, dann ist's gewonnen, dann ist der ganze Spuk in nichts zerronnen.“ Traurig, um 11 zu Scharpenacks, Fernschreiben nach Berlin, daß ich mit Duschka erst Sonntag abend komme. Herrliches Schneewetter, Anima fährt mit Claire-Luischen Schlitten, sie hat ihren Trainingsanzug zerrissen. Setzte mich ins refugium. Schrieb Briefe, besonders an den scheußlichen Müller-Albrecht, an Reuschenbach und Freyer (just ein Exemplar Land und Meer) über die Kurierabteilung, an Frau Hahm, Telegramm an den Dekan, die Kinder brachten es nachmittags zur Post. Ich ging nach dem Mittagessen zu Bett und schlief bis 5; Duschka, die Halsschmerzen hat, auch. Stand leise auf und arbeitete etwas im refugium. Las Böckmann, Geltung der Reichsverfassung in den Kolonien; erst sehr interessant, nachher sah ich die Oberflächlichkeit und Dummheit von Schüler und Lehrer. Eine Stunde Ruhe, am Schreibtisch, aber sonst die alte Angst. Schäme mich dieser unwürdigen Sklaverei, Gott erlöse mich. Die Lenne schäumt mächtig, ein Sprung von dieser Brücke wie in Budapest; aber mich halten jenseits aller Hörbarkeiten⁠ und Wissbarkeiten sonderbare Fäden hier fest und lenken mich. Abends kein Wein zum Abendessen, mit dem Vater Karten gespielt, dann früh ins Bett. Tief bedrückt, die Angst, vom Saugnäpfchen abgedrängt zu werden; schließlich gleichgültig. Aber doch alt und nicht mehr so leichtsinnig. Viel an meine Berliner Studentenzeiten gedacht, welche Ahnungslosigkeit.⁠

    Mittwoch, 5/1 44. Um ½ 7 geweckt, traurig und müde, aber aufgestanden, Duschka hatte Halsschmerzen und blieb im Bett. Trank schönen Kaffee und ging mit Ännchen zur Bahn. Der frühere Zug stand noch da, wir liefen hin, aber ich konnte wegen der Schmerzen im rechten Oberarm nicht mehr in …

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