Samstag, 27/3 43. Jes. 42, 24/5: Sie wollten auf seinen Wegen nicht wandeln, und gehorchten seinem Gesetz nicht. Darum hat er über sie ausgeschüttet den Grimm seines Zorns und eine Kriegsmacht; und hat sie umher angezündet, aber sie merkten's nicht. Die alte Verzweiflung, dann wieder Behagen des Frühstücks. Brief von Ännchen, daß die Mutter schwer krank ist. Telefonierte mit dem Admiral Lützow, machte nur einige Notizen zum Nomos und bekam wieder Freude an der Arbeit. Mit Siebert telefoniert, schickte ihm Land und Meer. Maiwald kam und brachte eine Arbeit, er will morgen nach Schlesien reisen, gefiel mir gut und sprach sehr nett. Ohrenzwitschern. Nach dem Essen geschlafen, müde, um 5 eine Viertelstunde gesammelt, ging wie im Traum und wie nichts, dann am Schreibtisch gesessen, wie in der Kinderzeit, an die gute Mutter gedacht, die Lungenentzündung hat. Dachte daran, daß sie vielleicht stirbt, und all die alte Liebe und Anhänglichkeit erwachten. Wie streng und richtig hat sie uns erzogen, wie hat sie gespart. Wie hat sie sich in mein Herz geprägt: Noch heute denke ich mit den stärksten Gefühlserinnerungen daran, daß ich in den ersten Jahren in Attendorn, im Konvikt, Heimweh hatte und mir auf meine Taschenuhr einen kleinen Papierzettel anbrachte: Mon fils, tâchez-vous d'être toujours appliqué. Die große sehnsüchtige Traurigkeit des Konviktoristen erwachte. Ich sehe mich in meiner lächerlichen billigen Kleidung, später in meiner bei Löwental gekauften „landesüblichen Tracht“ einlaufen, der Spott der häßlichen und brutalen Kameraden, der dünkelhafte Praeses und alles das. Abends riefen Brinkmann an (der morgen kommen will) und Kohlrausch wegen der Habilitation Hahn und der Dissertation von Schroer. + Tod der Mutter. Abends etwas Vermut getrunken, um 10 - 4 Fliegeralarm, große Aufregung, Marie besonders ekelhaft, dauerte im Luftschutzkeller bis 12 Uhr; nicht so fürchterlich wie am 1/3; immerhin große Störung und Herzbeschwerden. („Wer diesen Krieg auf dem Gewissen hat, der muß wirklich in der Hölle braten“). Beherrscht, Seneca-Zitat begriffen, du hast nichts als dich selbst; du darfst nicht fürchten, was du nicht ändern kannst usw.
Samstag, 27. März 1943
Tagebucheintrag, Buch 19618
Samstag, 27/3 43. Jes. 42, 24/5: Sie wollten auf seinen Wegen nicht wandeln, und gehorchten seinem Gesetz nicht. Darum hat er über sie ausgeschüttet den Grimm seines Zorns und eine Kriegsmacht; und hat sie umher angezündet, aber sie merkten's nicht. Wer hat Jakob übergeben, zu plündern, und Israel den …
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Genannte Entitäten
Personen
- Anna Margarete Schmitt (1902-1954)
- Carl Brinkmann (19.3.1885-20.5.1954)
- Eduard Kohlrausch (4.2.1874-22.1.1948)
- Friedrich Lützow (31.8.1881-1.11.1964)
- Georg Hahn (9.5.1913-?)
- Hermann Schroer (1900-1958)
- Louise Schmitt (1863-1943)
- Lucius Annaeus Seneca (55 v. Chr.-40)
- Marie
- N. N.
- Serge Maiwald (4.8.1916-22.2.1952)
- Wolfgang Siebert (11.4.1905-25.11.1959)
Werke