Sonntag, 4. April 1943

  • Tagebucheintrag, Buch 19618

    . Durchgeschlafen, aber doch sehr traurig wachgeworden. Habak. 1,13 (Deine Augen sind rein, daß du des Übels nicht sehen magst und dem Jammer kannst du nicht zusehen)⁠ Dachte an meine Mitleidsneurosen. Ankündigung von 10.000 Mark vom Postministerium! Das ganze Kapital wollte ich Jup gönnen. Dachte an die gute Mutter, wie sie die Geschke aufgenommen hat, aus lauter Gutmütigkeit, und nachher schlecht behandelt wird. Ihre Isoliertheit, das ist mein Schicksal. Jetzt aber beginnt eine neue, mutterlose Zeit. Telefonierte mit Goruneanu und lud ihn für Donnerstag und für „Orpheus und Euridike“ ein. Korrigierte an meinem Nomos-Aufsatz, auch noch etwas nach dem Mittagessen, dann wieder länger geschlafen, dann lange Telefongespräche mit Benn (war viel zu eifrig, sprach vom κατέχων und vom Nihilismus, fand einen snobistisch-weichlichen Klang in seiner Stimme, der mir nicht gefiel, er ist kein Historiker) und mit Fränger, der anrief und von dem großartig durchkonstruierten Buch „Land und Meer“ sprach; besonders was mich sofort wieder belebte; er bat um Tolnay, den ich ihm versprach; er will mir etwas über Ensor schicken und Donnerstag Nachmittag kommen. Sorge wegen der Flieger, um ½ 9 zu Fuß zu Popitz, dort schönen Wein (Rauenthaler 37, wohl derselbe, den Jessen mir geliehen hat, also bringt er ihn von Popitz). Corrie war dabei, nett unterhalten, Popitz über die Schuld der Engländer am Kriege (weil sie gegenüber Polen oft mehr mitgemacht haben!), ich spreche dumm und viel zu viel; um ½ 12 telefonierte es: Voralarm. Nach Hause gerannt, Herzklopfen und geschwitzt. Duschka war auf und schrieb Briefe, ich wartete noch, aber es kam kein Angriff, um ¼ 1 zu Bett. Viel an die Mutter gedacht, aber wo ist sie jetzt?

    Sonntag, 4/4 43. Durchgeschlafen, aber doch sehr traurig wachgeworden. Habak. 1,13 (Deine Augen sind rein, daß du des Übels nicht sehen magst und dem Jammer kannst du nicht zusehen Deine Augen sind rein, daß du Übels nicht sehen magst, und dem Jammer kannst du nicht zusehen. Warum siehest …

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