Mittwoch, 7/4 43. Traum: In München, eine moderne Etagenwohnung bei einer Frau, die sich für mich interessiert, gepflegt, aber nicht hingerissen, vorher war ich auf einem kühlen Berg und suchte einen Baum zu pflanzen, der kühlen Grund fand. Später kam der Mann der Frau, ein etwas resigniert, gebildeter Mann von süddeutscher Vornehmheit. Erotischer Traum. Behaglich den ganzen Morgen im Bett gelegen. Frau Hösel? Frau von Quednow auf münchnerisch? Der Mann spricht davon, daß er Graf von Bruck kennt, der ein Weinreisender geworden sei. Zusätze zu Esther 7. Kapitel. Die Auslegung des Traums von Mardochai von den 2 Drachen. („Der eine bedeutet die Heiden, so zusammenkamen, und den Namen der Juden austilgen wollten“). Benn im Gespräch am Sonntag: Alle Kunst ist die Generation? Überwindung? des Nihilismus; alle Produktion ist nihilistisch (Ich sagte: also creatio ex nihilo. Solche Fragen versteht er gar nicht, das ist theologisch). „Die formfordernde Gewalt des Nichts“; das gefiel ihm besonders gut und fand er großartig; er wollte für Hindemith einen Text texten über die Mönche von St. Gallen und ihre Musik. Ich: Die Affenschaukel unserer Tonalität; laufe auf Schienen; verletze mein Gehirn. Warum gehe ich dahin? Warum bleibe ich nicht bei meiner Arbeit? Berufsarbeit? Hat die Mutter mich verlassen? Stolz auf den schönen Brief von Grüninger, aber das ist ja alles nichts, du stehst beiseite.
Kam nicht zum geplanten Briefschreiben an Buchholz und Grüninger, sondern telefonierte lange mit Brinkmann (über Alfons Adams, den er als einzigen Menschen unter bürokratischen Larven rühmte[)]. Der böse Wille dieser Bürokraten, die einem gar nicht helfen wollen, sondern sich freuen, wenn man in den technischen Schwierigkeiten hängen bleibt. Dann mit Diener, über seine Habilitationsschrift, über die schikanöse Methode des Neukantianismus bei Emge, die fürchterlichen nationalliberalen Historiker, die die Bewertungspositionen des Kulturkampfes in das Problem Reich und Kirche hineinprojizieren, besonders durch das Stichwort Canossa, als ob diese wildfeudalen Räuber preußische Beamte und die großen Päpste Centrumspfaffen gewesen wären. Aller Handel ist frei; Beweis, wenn die Freiheit aufhört, hört auch der Handel auf und werden die Kaufleute zu Verteilern. Nach dem Mittagessen ausgeruht, schön gebadet, Neuss kam um 4 Uhr, trank mit uns Tee, war nett und rheinisch-menschlich, erzählte von seinen Vorträgen in der Ludwigskirche, über Papst und Kaiser im Mittelalter, fragte ihn nach dem κατέχων; er will auch Dempf und Peterson fragen, sprach von Rupert von Deutz, wie man seine Spanienreise sabotiert hat; gab ihm „Land und Meer“. Um 5 kam der Admiral Lützow, wegen des Aufsatzes in der Marine-Rundschau, reizend, sympathisch, wir sprachen über die angelsächsische Seeherrschaft, versprach ihm einen Aufsatz für den 1. Mai; Ende des Prisenrechts usw. Rühmte unsere Brombeermarmelade, begleitete ihn zum Haustor (im Schnee), angenehm berührt von diesen guten Seeleuten. Dann mit Anima den Zauberlehrling vorgetragen. Erschrak vor der Magie dieses Gedichts, große Freude daran, aber doch traurig und dämonisch, bis 7 Uhr. Frau Jünger hat ihre Reise verschoben. Fror im Zimmer, las die Lebensgeschichte Anselms von Canterbury. Einiges sehr schön, wunderbar merkwürdig, dieses Kloster des frühen Mittelalters.