Donnerstag, 8. April 1943

  • Tagebucheintrag, Buch 19618

    . 1 Sam. 9/10 die Geschichte von den Eselinnen und der Königsalbung gelesen: (Und der Geist des Herrn wird über dich geraten, daß du mit ihnen weissagest; da wirst du ein anderer Mann werden).⁠ Etwas erkältet. Verzweifelt in die Berufsarbeit hineingegangen (das Gutachten über die Habilitationsschrift von Hahn Lorenz von Stein und die Rechtswissenschaft).⁠ Schöner Kaffee zum  Frühstück und glücklich über die schöne Post, besonders den Brief von Wieacker über Georgescu, schrieb an Wieacker;⁠ Extra jurisprudentiam et scientiam, Romam nulla prudentia, wenigstens nicht im Völkerrecht; und gibt es wissenschaftlich noch ein anderes Recht? Der legalitäre Funktionsmodus einer staatlichen Bürokratie hat doch damit nichts zu tun. (Dank für Kaslers.) Schenkte ihm Land und Meer und schrieb ihm die Widmung (j. tellus) hinein und schrieb dazu: Eine Reise- und Sonntags-Nachmittagslektüre nach Art einer herodotischen Erzählung. Auch wenn wir armen Träger und Opfer des occidentalen Rationalismus keiner mythischen Wirklichkeit mehr fähig sein sollten, ist vielleicht doch der Versuch einer nicht-romantischen Annäherung an diese Wirklichkeit für Sie ein Schauspiel, dem Sie eine freie Stunde widmen mögen. Nach dem Mittagessen ausgeruht und gebadet, mit großer Aufregung einen Vortrag über Kopernikus und Kepler gelesen.⁠ Um 5 kam Fränger, erklärte mir den Garten der irdischen Lüste, an der Hand des Verses „wachset und mehret euch“, Unterschied von Capitel 1 und 2 der Genesis. Sehr schönes Gespräch, über Jünger (zu schmale Bildungsbasis, könnte sonst ein Kirchenvater sein, so aber holzig und Laubsägearbeit), erwartet einen Ausbruch des Christentums, Heilung der Blindgeborenen gegenüber der Farbenblindheit dieser Zeit, hatte einen starken Eindruck von ihm, wir sprachen darüber, ob der Garten der Lüste bei Bosch ein Paradies oder eine Utopie sei; es ist die abstrakte Lust, mehr nicht. Um ½ 8 kam Goruneanu, wir aßen zusammen zu Abend mit Fraenger, hatte den Eindruck, daß Goruneanu traurig und enttäuscht ist. Wir tranken guten Wein, Fraenger bedauerte, daß die Hedwigskirche getroffen ist,⁠ erklärte mir sehr schön Bosch, schwärmte von meinem Land und Meer, die Kontrapunktion des Buches, dem eiligen Schluß, wenn die Flammen des Krematoriums anfangen zu brennen, die Schilderung Deutschlands zwischen Calvinismus und Jesuitismus.⁠ Begleitete beide um 11 zur U-Bahn und ging zufrieden ins Bett. Vatikan der letzte κατέχων.

    Donnerstag, 8/4 43. 1 Sam. 9/10 die Geschichte von den Eselinnen und der Königsalbung gelesen: (Und der Geist des Herrn wird über dich geraten, daß du mit ihnen weissagest; da wirst du ein anderer Mann werden). Etwas erkältet. Verzweifelt in die Berufsarbeit hineingegangen (das Gutachten über die …

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