Samstag, 10. April 1943

  • Tagebucheintrag, Buch 19618

    . Traum: Die Straße in der Richtung südlich von Plettenberg (grüne?), was ich ja unbewußt als nördlich empfinde;⁠ schöne, saubere, geschmackvolle Villa, aber von Bomben beschädigt, zwangsweise bewohnt. Die Bilder von Bosch wurden mir klar: Auf keinen Fall wachset und mehret euch, wie Fraenger meint. Mit Alfons Adams wegen Spanien telefoniert;⁠ . 5 Mo. 23,22. (Das Gelübde mußt du halten)⁠ Sehr traurig und zerrüttet aufgestanden.

    Schöner Brief von Jünger, der mir gut tat. (Bismarck bei Fontane der Forstmeister, der seine Angestellten betrügt; meine Notiz vom 12/3 43: Er sieht darin eine Verbindung des Weltbildes von Poe mit dem politisch-gesellschaftlichen von Melville. Schickte mir die französische Übersetzung des Abenteuerlichen Herzens); schöner Aufsatz von Brinkmann über Max Weber, der mich sehr freute und zu Identifikationen veranlasste. Behaglich schöner Kaffee und am Schreibtisch, in Erwartung der Oper heute Nachmittag. Mittags ausgeruht, gebadet, über die Unpünktlichkeit Duschkas geärgert, um ½ 4 zur Oper. Goruneanu war da, kam mir aber schlangenhaft und zu zigeunerhaft vor; im übrigen hatte ich ihn sehr gern und fand ihn sympathisch. Die Oper war schön, Orpheus, aber das Ganze eines solchen 18. Jahrhunderts ist stilwidrig, während Frauen und alte Männer zur Munitionsfabrik getrieben werden, sind diese Tänzerinnen kriegswichtig. Herrlich die Arie der Eurydike im Engelsflug der Seligen.⁠ Goruneau traf W. Otto aus Königsberg, unruhiger Bruder und selbstbewußter Schlaumeier. Gingen nach Hause, Goruneau kam nicht mit, weil er zu den Kroaten ging. Zuhause eine Flasche Trarbacher, mit Duschka überlegt wegen des Arbeitseinsatzes, sie muß sich melden. Freute mich über ihre Ruhe und ihre Klugheit. Sehe aber, daß sie auch schon angegriffen ist. Der Schinder frisst uns, wie ein junger Sperber die Würmer frisst. Tieftraurig, verzweifelt, aussichtslos, ausweglos. Deus in adjutorium.

    Samstag, 10/4 43. Traum: Die Straße in der Richtung südlich von Plettenberg (grüne?), was ich ja unbewußt als nördlich empfinde; schöne, saubere, geschmackvolle Villa, aber von Bomben beschädigt, zwangsweise bewohnt. Die Bilder von Bosch wurden mir klar: Auf keinen Fall wachset und mehret euch, wie Fraenger meint. Mit Alfons …

    Eintrag im Buchkontext mit Annotationen lesen

    Genannte Entitäten

    Personen

    Orte

    Werke