Freitag, 30/4 43. 5. Mos. 29,3: Der Herr hat euch gegeben Augen zu sehen und Ohren zu hören. Sehr tröstlich. Besser ausgeruht, weil ich keinen Wein getrunken habe. Eine Stunde sehr schön und eifrig am Schreibtisch über westliche Hemisphäre (Dank dem Kaffee, in Erwartung Nebels. Um zur U-Bahn, mit Anima, dann
Bei Keiper, 30/4 43, mittags.
Wie nach Krieg und Brand Gottes Segen kommt ins Land steigt auch einmal wieder Deutschlands Retter aus der fernen Höhe nieder. Berlin 8. April 1852 Jacob Grimm. Dieser Retter kam also immer wieder, und aus immer tieferer Tiefe. Arme Deutsche!
Das war also der plötzliche Segen dieser bürgerlichen Märchensammler; Wir gehören nicht dahin! Das ist von der Leyen!
Zu Keiper, traf vor der Tür Professor Schuster, wo ich von der Leyen traf, sehr interessant, er schenkte mir die Rektoratsrede Moellendorffs von 1900! Erschrak vor dieser prompten Begegnung. Wir sprachen über die Proteste, Selbstbiographien, Körnchen kam um 12 Uhr, hat aber etwas Störendes, so lieb und nett er ist. Vielleicht zu sehr auf Bruno Bauer versessen. Freute mich sehr an Keipers Eifer und Klugheit; vielleicht gibt er die Vorlesung von Schelling 41/2 heraus. Fröhlich zurückgefahren; angeregt durch das Gespräch und den guten Cognac, den die Frau Keiper uns gegeben hat. Wartete voll Spannung auf Nebel, der um 5 kam; netter Junge. Sieht gemütlich aus, wie Onkel Fritz, der Dachdecker, oder ein Bar-Keeper, mit rheinisch schlauen Augen, ein wenig taktlos, aber nett, rheinisch. Wir unterhielten uns sehr gut, über Land und Meer, über die Elemente, von denen er sprach (Feuer des Hephaistos ein anderes als das des Prometheus); um 7 kam auch Gilles, nachher Goruneanu. Leider konnte Nebel nicht bleiben, weil er eine Verabredung hatte. So wurde aus dem geplanten und mit großem Essen vorbereiteten Abend nichts. Wir tranken eine Flasche Brauneberger und aßen Brot mit Salami dazu. Verabredeten uns für Sonntag abend. War müde und traurig, trank noch eine Flasche Heppenheimer, wußte nichts Rechtes mit dem netten Goruneanu anzufangen, der 3 Päckchen Tee mitgebracht hatte. Gilles erzählte in seiner Art. Wir saßen am Kamin, bis 11 Uhr. Fräulein Petrovic war auch da, braungebrannt und etwas südöstlich. Goruneanu brachte sie nach Hause. Um 9 rief Grünberg an, verabredete mich für morgen um 6 in den Russischen Hof, dummerweise, obwohl wir zu Jessens wollen. Entsetzlich schwach und nachgiebig. Saß noch mit Duschka am Kamin bis 12. Dann müde zu Bett, konnte aber nicht einschlafen. Las Schweigger und Tacitus, Annalen.