Samstag, 1. Mai 1943

  • Tagebucheintrag, Buch 19618

    . Scheußliche Nacht, grauenhafte, halbbewußte, halbgeträumte, ekelhafte, zerstörende Ejakul. Zwischendurch Ann. XV gelesen, scheußlich. Wagte nicht die Bibel aufzuschlagen, so beschmutzt fühlte ich mich. Stand erst gegen 10 auf, frühstückte, sprach mit der guten Duschka, hörte, daß Hammerstein gestorben ist, mit 65 Jahren.⁠ So geht alles dahin. Am Schreibtisch etwas erholt; einzige Freude, diese Papierbemalung und Begriffs- und Wort-Protzerei. Nachmittags um ½ 5 zu Frau Jessen zum Tee, Popitz und Corrie waren auch da, nette und herrliche Unterhaltung, Popitz behauptet, Fontanes Irrungen und Wirrungen seien der größte deutsche Roman. Unbeschreiblich. Fuhr um ½ 6 zum Russischen Hof, traf dort Grünberg; mit dem ich mich aus lauter Nachgiebigkeit verabredet hatte. Wir liefen bis 7 Uhr durch die Straßen und fanden kein Lokal, in dem wir uns hinsetzen konnten; schließlich am Anhalter Bahnhof, und von dort zu mir nach Dahlem. Duschka war zu Hause und von einer überwältigenden Selbstverständlichkeit als Gastgeberin. Grünberg aß bei uns zu Abend, nannte Eschmann einen Schuft, erzählte von dem Bischof Peter, der Hauptmann ist und politisiert; über die Bunling, aber was soll das alles. Ich glaube ihm nicht und er wird nichts ändern. Besser durch als für. Begleitete ihn um 10 zum U-Bahnhof Thielplatz, nach Hause zurück und bald zu Bett. Im Bett Fontane Irrungen gelesen, das ist ja hübsch, besonders die Frauen kann er sprechen lassen, das beste ist die Baronesse, aber welche Problemlosigkeit, wie widerlich diese edlen, treu biederen Figuren aus Berlin, kein Problem, kein tiefer Konflikt, alles vernünftig neutralisiert, Klassengegensätze, moralische Probleme, Schuld und Sühne, alles halb so schlimm, in sentimentaler Nettigkeit und Anständigkeit geht alles unter. Das ist also nach Popitz der größte deutsche Roman. Erschrak.

    Samstag, 1/5 43. Scheußliche Nacht, grauenhafte, halbbewußte, halbgeträumte, ekelhafte, zerstörende Ejakul. Zwischendurch Ann. XV gelesen, scheußlich. Wagte nicht die Bibel aufzuschlagen, so beschmutzt fühlte ich mich. Stand erst gegen 10 auf, frühstückte, sprach mit der guten Duschka, hörte, daß Hammerstein gestorben ist, mit 65 Jahren. So geht …

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