Sonntag, 2/5 43. Ziemlich frisch; wieder etwas erholt; 2 Sam. 3.14 (Gib mir mein Weib Michal, die ich mir verlobt habe mit hundert Vorhäuten der Philister), der 30. Juni in Israel; schöne, lehrreiche Geschichte. Stand um 9 auf, trank schönen Kaffee, freute mich über das Manuskript meines Nomos, das Frau Giese geschickt hatte, mit Duschka zum Schauspielhaus, Morgenveranstaltung Kayssler, über Goethe, die Schauspiellust, immer dieselbe deutsch-idealistische Synthese über Prediger, Professoren, Schauspieler, mit Goethe-Maske; säkularisierter Protestantismus; das ist alles die Vorliebe von Popitz. Popitz hielt eine einleitende Ansprache. Über Theatergeschichte als Gegenwort. Ergreifend war nur der Augenblick, in dem Kayssler von seinen Erinnerungen an das Stanislawski-Theater sprach,
von der Größe dieser russischen Schauspieler, die die böse Dynastie kennen als einen Zwang. Duschka fand die ganze Sache fad. Mitleid mit Popitz. Wir fuhren um 1 zurück, aßen schön mit Fräulein Petrovic zu Mittag, nach dem Essen etwas geschlafen, gut ausgeruht, Winckelmann für den Abend eingeladen und etwas an meinem Manuskript gearbeitet. Bin ich einen Schritt weitergekommen, als in meiner Kindheit. Um 5 nett mit Duschka in der Küche Tee getrunken, etwas gearbeitet, um 7 kam Nebel, mit dem ich mich nett über Seneca und Stoa unterhielt, in dem schönen Garten unter den herrlichen Blütenbäumen; dann kam Winckelmann mit seiner Frau. Die Frau war besonders entzückend und rein désinvolture. Wir aßen sehr schön zu Abend, Winckelmann hatte eine Flasche Thierbacher mitgebracht; Winckelmann sieht schlecht aus, hat Nervenentzündung, mir tut das Herz weh, wenn ich diesen anständigen Menschen zugrunde gehen sehe, ganz verletzt. Er brachte mir einen Brief mit, wir waren einig: Besser durch als für. Über den Begriff des Politischen (Zeit dieses Begriffes vorbei), über [„]Lotte in Weimar“ als besten deutschen Roman, die furchtbaren Gräuel und sadistischen Gemeinheiten, das kommende Giftgas; Nebel sprach davon, wie schön sein Urlaub hier gewesen war, wie ihm alles zugekommen sei für . Wir hatten ihn sehr gern und blieben bis Mitternacht am Kamin. Begleitete ihn noch ein paar Schritte und verabschiedeten uns sehr nett. Hörte, daß Jünger ihm erzählt hat, wie Blo. rasiert wird.