Donnerstag, 13/5 43. 1 Sam. 12,10: Wir haben den Baalim und den Astaroth gedient, nun aber errette uns von der Hand unserer Feinde. Druck im Kopf, aber frisch, weil ich keinen Wein getrunken habe. Hübscher Einfall für meinen Vortrag (das Bild der Fläche des freien Meeres), Telefongespräch mit Adams und mit Merkatz (der mich über Castiella informierte, heute abend mit Faupel nach Spanien fahren will, das spanische Völkerrecht, 1648 das Unglück). Fuhr zur Universität und hielt im überfüllten Hörsaal 3 des Aula-Gebäudes meine Vorlesung Verfassung, sehr gut, sehr stolz darüber, weil ich die ganzen Hörer bis zum letzten Augenblick in der Hand hatte. Schnell nach Hause, am Bahnhof Lichterfelde West eine hübsche Hörerin, Fräulein , die Volkswirtschaft studiert. Mittags geschlafen (während ich schlief rief v. d. Heyden auf der Durchreise nach Holland an, Duschka wollte mich nicht wecken, er wollte später anrufen, tat es aber nicht, ob er beleidigt ist?). Ich trank eine Tasse guten Kaffee, um ½ 6 kam der Fahrer, ich fuhr mit dem General v. Schickfus zur Intendanturakademie in die Wilmersdorfer Straße. Nette höfliche Offiziere, der sympathische Sperlich,
hielt meinen Vortrag „Wirtschaftskrieg zur See“ vor den Offizieren, die mit eisernen Gesichtern dasaßen, einige mit kritischer Aufmerksamkeit. Ich war nicht sicher, ob ich Interesse fand, ob ich zu hoch oder zu tief griff, zu viel oder zu wenig juristisch, Angst vor einigen Spezialisten, kurzum ich war nicht zufrieden und unsicher. Hinterher mit dem Chef des Armee-Verwaltungsstabes von Wandersleben, mit Generalintendant von Buschenhagen, Sperlich, v. Schickfus und einigen anderen noch ein Glas Bordeaux, sehr nett unterhalten, aber das Gefühl der Unsicherheit auch bei diesen; was ist es? Haben sie etwas anderes erwartet, und was haben sie erwartet? Was bin ich in einer solchen Umgebung; ich habe mich zu sehr angestrengt. Gestiefelt und gespornt, das ist lächerlich, ich hätte in Hausschuhen auftreten müssen. Wem laufe ich nach? Welch törichte Unterwerfung. Um 8 mit Schickfus und Buschenhagen nach Hause gefahren. Dort sehr unbefriedigt, wollte alle möglichen Leute anrufen, um die Leere auszufüllen, tat es nicht, trank auch keinen Wein mehr, hatte Nervenschmerzen im rechten Arm, aß mit Duschka und Anima in der Küche zu Abend, sehr nett, trotz des fürchterlichen Durstes keinen Wein getrunken. Nachher noch mit Anima im Garten gespielt, um ½ 10 schon zu Bett. Um ½ 12 Fliegeralarm, aufgestanden, heftige Nervenschmerzen, 2 Stunden im Luftschutzkeller, es ging ziemlich harmlos vorüber. Traurig wieder zu Bett.