Donnerstag, 8. Juli 1943

  • Tagebucheintrag, Buch 19618

    . Behaglicher Vormittag, Galgenfrist, gab meinen Bericht über die Spanienreise im Dekanat ab, im Professorenzimmer der neuen Aula erwartete mich Siebert, war besonders nett, schöner, lieber Junge. Ich war gerührt. Hielt meine Vorlesung über Führerbegriff gut, aber etwas zu eifrig. Warum kann ich nicht gleichgültiger werden? Nachher brachte mir Blötz die biedere Rede von Churchill,⁠ sprach davon, daß Stapel per saldo doch Optimist ist, alles mit dem netten, jungenhaften Freimut eines Hanseaten. Ich ruhte mich aus, badete und fühlte mich etwas wohler; hatte keine Lust, zum Internisten zu gehen, wegen des Nicht-Gezirps im Ohr. Zog mich bequem an, wartete bis Duschka fertig war und ging mit ihr zum Autobus, mit schönen Blumen, für Frau von Mallinckrodt, die Geburtstag hat. Freitag⁠ habe ich bei Frau Frank angerufen, die gestern anrief, und habe sie für Montag eingeladen. In die Griegstraße, wenige Schritte von der Wohnung der Frau Frank, die reiche Bourgeoisie, alles überschattet von dem Kataklysmus.⁠ War gleichgültig, befangen, unbeholfen, in meinem schönen grauen Anzug. Es kam noch die Schwester von Frau von Mallinckrodt, sehr hübsch, die ich für eine Baltin hielt, und ein komischer Baron von Fölkersahm, nachher der gute Paul Vitzthum, eine ulkige Figur. Herr von Mallinckrodt sah mager aus, aber in die weitere Unterhaltung. Sehr schöner Wein (Niersteiner Auflangen 35, schöner Mosel), nettes Essen, nett unterhalten, dummes Geschmus des Paul, der es aber faustdick hinter den Ohren hat (doch hats unsern Lieb ganz wohlgetan, zitierte er). Mallinckrodt erzählte Spionagegeschichten aus dem Ersten Weltkrieg, mit rheinischer Freude am Erzählen. Ich dachte mit Angst an Köln und an meinen Bruder Jup. Kann das Getätschel nicht leiden, das Frau von Mallinckrodt betreibt. Im übrigen gefiel es mir gut, bei diesen Leuten. Untergehende Klasse. Galgenfrist und Galgenhumor. Um 11 nach Hause, über Roseneck, alles ging bequem, sodaß wir um 12 schon wieder zu Hause waren. (Heute Nachmittag mit Schaeder wegen Spanien telefoniert).⁠

    Donnerstag, 8/7 43. Behaglicher Vormittag, Galgenfrist, gab meinen Bericht über die Spanienreise im Dekanat ab, im Professorenzimmer der neuen Aula erwartete mich Siebert, war besonders nett, schöner, lieber Junge. Ich war gerührt. Hielt meine Vorlesung über Führerbegriff gut, aber etwas zu eifrig. Warum kann ich nicht gleichgültiger werden? …

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