Freitag, 9/7 43. Immer die große Sorge um meinen Bruder Jup, jetzt kommt der Sommer und die Zeit unserer Wanderungen im Sauerland. Stand um ¼ nach 8 auf, um Blötz seine Rede zurückzugeben. Fuhr mit der Stadtbahn zum Justizministerium, dann zum Schloß, las Keith, Hart und Folliet. Traf vorher bei Herde Fräulein Auburtin und sprach mit ihr über Vitoria, Rudolf Schneider, die neuen amerikanischen Bücher, dann noch mit Makaroff. Arbeitet in dem Zimmer, hinter dem das Klosett ist, scheußlich, jetzt spüre ich einen Gestank. Um ¼ vor 1 nach Hause. Tante Luise war schon wieder da. Immer Angst wegen Jup, keine Nachricht von ihm, dagegen ein Brief von Sobotta aus Köln. Nach dem Essen gut ausgeruht. Traum: Ich erzählte Smend, daß ich bei Lammers war, quälender, Traum. Ekel und Abneigung gegen Smend, der wohl zum 11. schreiben wird. Medem rief aus Krakau an, daß er nicht kommt. Das tat mir sehr leid und betrachtete ich als ein schlechtes Vorzeichen. Sonst so entspannt wie möglich, schickte Vicen
meinen Legisten-Aufsatz. Las über Vitoria, hatte nette Pläne. Schöner, kalter Nachmittag, am Schreibtisch herumnotiert, an Jup telegrafiert (gebe bitte Nachricht). Die Zeit rinnt wie klares Wasser durch ein klares Glas. Allmählig wieder tröstlich. Eigentlich geht ja nur das in Erfüllung, was ich mit Jup oft gewünscht habe, wenn wir durch das Sauerland und an der Lenne spazieren gingen. Abends keinen Wein getrunken, Knoblauch gegessen, etwas über Kanzleien notiert, über Vitoria gelesen (das interessiert mich brennend, daran möchte ich anknüpfen), mit Duschka über Köln gesprochen, und um ½ 12 ins Bett, in Erwartung eines Fliegerangriffs.