Sonntag 18/7 43. Gut geschlafen, behaglich, vom Knoblauch gestärkt, aber schnell wieder müde, grauenhafter Zustand. Karr gelesen, den mir Haller gestern mitgebracht hatte. Traurig, weil hier meine eigenen Ideen von 1920 an wiederkehren, die deutschen Emigranten verbreiten sie, in Deutschland hat man mich nicht gehört. Erdrückt von dieser Feststellung. Schlimmer als das Schicksal Max Webers. Schrieb einen Brief an Lohmann. Um ½ 10 kam Claire mit den Kindern; das Haus ist jetzt voll. Dann kamen 10 serbische Bäuerinnen zu Duschka. Traurig in meinem Zimmer, am Arbeitstisch, die frechen Antworten von Anima. Wartete auf den Abend, wenn Freyer und Ahlmann kommen sollen. Sie kamen um 7, Ahlmann erzählte von Heidelberg (Telefoniere eifrig für die Presse Forsthoff). Freyer brachte das Manuskript über Geschichtsphilosophie mit, was mich sehr freute. Ich erzählte von Spanien, viel zu viel. Wir aßen eine Ente zu Abend, die Claire mitgebracht hatte, tranken Moselwein (zu viel) bis ½ 12, für mich war es anstrengend, immer das Zirpsen im Ohr und im Gehirn. Muß doch bald zu Zahler gehen. Auf die Frage: woher der Wein, antwortete ich: Zufall, aber streng legal. Hübsche Unterhaltung, aber nicht intensiv genug, wahrscheinlich war ich zu nervös. Der gute Freyer war höflich, lud mich für November nach Budapest ein, ich schlug noch Erik Wolf vor und Werner Weber; begleitete sie, todmüde, um 12 zum Bahnhof Lichterfelde West.
Traum von Groh, er will zum Abendessen bleiben, Duschka weint, auch Anna; es kommen noch sein Sohn und seine Frau. Dann auf der Eisenbahn, an der Lenne; versäume den Zug.