Sonntag, 25. Juli 1943

Zwei Einträge an diesem Tag

  • 1. Tagebucheintrag, Buch 19618

    . Gut geschlafen, aber immer noch Ohrenziehen, doch nicht mehr so deprimierend. Vormittag spanische Übersetzung meiner Bücher gelesen,⁠ fand das alles sehr schön und genoß den herrlichen Sommermorgen. Den ganzen Tag fast nichts getan, herumgelesen, abends sogar Bossuet, um ¼ 11 zu Ahlmann gefahren, mit ihm eine Flasche Sekt getrunken, sehr schön unterhalten über Freyers Manuskript („Der Entschluss zur Kultur“ als Überschrift unmöglich),⁠ über seine Reise nach Kiel. Gehoben nach Hause, sah noch eine Sekunde Fräulein Auburtin, die sehr nett grüßte. Omine auctus.⁠ Abends bis nach 1 herumgelesen, Schubert gespielt, Erkenntnis dieses Einbruchs der Slawen in den deutschen Geist, der dann durch die preussische Verkrampfung und den Willen zu Irgendetwas (zur Haltung, zur Macht, zum Charakter) zerdrückt wird. Grauenhafte Verwüstung; seit der Umarmung deutsch-baierischer Messerstiche und der giftigen Soße der Rassentheorie. Orgiastisches Finale des norddeutschen Größenwahns.

    Sonntag, 25/7 43. Gut geschlafen, aber immer noch Ohrenziehen, doch nicht mehr so deprimierend. Vormittag spanische Übersetzung meiner Bücher gelesen, fand das alles sehr schön und genoß den herrlichen Sommermorgen. Den ganzen Tag fast nichts getan, herumgelesen, abends sogar Bossuet, um ¼ 11 zu Ahlmann gefahren, mit ihm …

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  • 2. Tagebucheintrag, Buch 19618

    Brief an Reifenberg, .⁠ Unser Gespräch vom Geburtstagsabend in Frankfurt habe ich nicht vergessen. Ich wollte es in der Form weiterführen, daß ich Ihnen ein Exemplar meiner Abhandlung über den Leviathan zuschicken ließ, aber eben erhalte ich – nach 3 Wochen Warten – vom Verlag die Mitteilung, „fehlt z. Zt.“. Was soll ich nun tun? Ein Autor, der manches publiziert hat, ist in einer schwierigen Lage, nämlich in der Alternative zwischen Selbst-Festlegung auf das Geschriebene und Selbst-Desavouierung, und wenn er beides vermeiden will, finden sich schon bald die Mitmenschen, die ihn in die Sackgasse dieses Dilemmas hineinzustoßen suchen. Der L. ist geschrieben, als ich 50 Jahre alt wurde; daher bewegt er sich schon mit einiger Sicherheit jenseits und über der genannten Alternative. Schade, daß der faktische L. dieses gutgemeinte Bildnis inzwischen verschlungen hat. Aber, ohne mich für einen, wenn auch nur kleinen, Propheten zu halten, bin ich sicher, daß es, wie Jonas, eines Tages wieder ans Tageslicht geworfen wird.⁠ Dann schicke ich es Ihnen sofort. Bei unserem Gespräch habe ich, im Eifer der Diskussion zur Sache, vergessen, nach einigen Mitarbeitern der Frankfurter Zeitung zu fragen, die mir im Laufe der Jahre durch ein Wort, oder einen Gedanken, durch ihren Stil oder eine Wendung aufgefallen waren. Das waren besonders Eberhard Schulz (der über Filme schreibt) und Heddy Neumeister, deren soziologischer Sinn mich oft frappiert. Wo leben sie und ist es nicht bedenklich, den imaginären Eindruck, der vom bloß Gedruckten stammt, durch eine persönliche Bekanntschaft zu beirren? Dies alles schreibe ich wie im Gespräch. Aber Gespräche muß man sprechen und so hoffe ich, daß wir uns einmal wiedersehen und auf das eigentliche Thema unserer ersten Begegnung zurückkommen. Herzliche Grüße Ihres

    Brief an Reifenberg, 25/7 43. Unser Gespräch vom Geburtstagsabend in Frankfurt habe ich nicht vergessen. Ich wollte es in der Form weiterführen, daß ich Ihnen ein Exemplar meiner Abhandlung über den Leviathan zuschicken ließ, aber eben erhalte ich – nach 3 Wochen Warten – vom Verlag die Mitteilung, fehlt …

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