Dienstag, 24. August 1943

  • Tagebucheintrag, Buch 19618

    . 1.20 großer Sprengbombenanschlag. Im Luftschutzkeller, herausgefallen, in der Sandkiste gelegen. In der Ortsgruppe der Partei gegenüber brannte es lichterloh. Die Bahnhofsmission völlig zerstört. Wir waren glücklich, das Leben gerettet zu haben, durchs verwüstete Haus gelaufen, sonderbar genossen, überleben zu können. Herrschaft im Luftraum, mit einigen Leuten gesprochen, die gute Duschka ging mit Anna zur Rettungsstelle, ein Admiral Backenköhler kam, sprach ein paar Worte mit ihm. Dann fiel mir ein: Des geringsten Eichenfalles Wirkung grinst im Weltenraum. Der abnehmende Mond geht feuerrot unter. Das ist jetzt die Ruine deines gastlichen Hauses. Öfters durchs Fenster der Waschküche hin und her gekrochen. Das Parteigebäude brannte lichterloh, gesprengt unser Haus, schließlich wurde es Tag. Ruhte etwas aus, Duschka hat überhaupt nicht geschlafen. Kein Licht, Anna holte Wasser zum Kaffeekochen im Burckhardthaus.⁠ So wurde es Tag. Schrecklich, aber zuerst glücklich und erleichtert, daß wir am Leben geblieben waren. Morgens im Halbschlaf: Ich muß heute noch abreisen, nach Plettenberg. Sagte es Duschka. Allmählig kam der Entschluß, rasierte mich im zerstörten Badezimmer, Magenbeschwerden, grauenhafte Ruine, nichts übriges aus den Zimmern geholt, Alfons Adams kam um 11 vorbei, grüßte, ging schnell wieder weg (ich zog mich gerade an), dann kam Haidi Hahm, mit seinem Freund, machte einen Beileidsbesuch. Duschka lief zu den Stellen, ich holte die Leiter aus der Garage (die dicken Eisentüren weggeschleudert), wartete auf sie, scheußliche Magen- und Darmbeschwerden, saß auf der Straße, geheimes Gefühl der Flucht, es mußte so sein, sie treiben uns lächelnd hinaus, die Götter! Holte für ihn ihren Brillantring aus der Mansarde; rettete das Bild⁠ von Gilles. Um ½ 3 mit Duschka und Anna zu Frau Hahm, dort mit Leistikow und Frau die Enten gegessen, schöner Moselwein dazu und Kaffee. Wieder zurück. Mit Leistikow eingepackt, aber planlos, mit einem netten Berliner Pferdewagenbesitzer nach Popitz die Bilder gebracht, schnell wieder mit U-Bahn (überfüllt) nach Hause, dort bald schon Erinnerung: Der letzte Akt der Dreigroschenoper,⁠ Ahlmann, rührend, wir tranken noch ein Glas Bubenheimer Atorff. Die rührende Frau Hahm half. Die guten Leistikows, Weber-Schumburg kam noch, Ackermann mit dem Wagen um 10 vor 8, bei Popitz vorbei und verabschiedet, alles wie im Traum. Duschka hat noch einen Schlafwagen bekommen, wir fuhren durch die Stadt, das Englische Viertel brennt noch, die Leute auf dem Bürgersteig, auf ihren Möbeln, der grauenhafte, überfüllte Schlesische Bahnhof, aber wie im Traum ging alles, ein Gepäckträger kam, Schlafwagenabteil, alles flüchtet; hinter Berlin Alarm; todmüde, die gute Duschka schwärmte immer noch von der guten Frau Hahm, die einzige, die wirklich half. Die Mutter rettet uns zu ihrem Namenstag nach Plettenberg.

    Dienstag, 24/8 43. 1.20 großer Sprengbombenanschlag. Im Luftschutzkeller, herausgefallen, in der Sandkiste gelegen. In der Ortsgruppe der Partei gegenüber brannte es lichterloh. Die Bahnhofsmission völlig zerstört. Wir waren glücklich, das Leben gerettet zu haben, durchs verwüstete Haus gelaufen, sonderbar genossen, überleben zu können. Herrschaft im Luftraum, mit einigen Leuten …

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