Dienstag, 7. September 1943

  • Tagebucheintrag, Buch 19618

    . Traum; ausgeschlafen, herrliches Frühstück, Brief von Frau von Schnitzler, rührend, schrieb an Jünger, Schranz (daß ich Montag komme). Vormittags auf das Essen gewartet, mit Jup geredet, nach dem Essen todmüde geschlafen, Kaffee getrunken, dann ein herrlicher Spaziergang über die Hohe Molmert, mit Jup; bei dem + zurück; ein Angelus gebetet. Wie schön. Todmüde zu Hause, herrliches Abendessen und Wein und nachher Cognac dazu. Großartig, aber unsere Hoffnung, einen Wagen für den Abtransport unserer Möbel zu bekommen, wurde enttäuscht. Duschka war mit Claire beim Bürgermeister Brüggemann, der ihr sagte: So viel ich weiß, ist ihr Mann preußischer Staatsrat, dann soll er sich doch in Berlin einen Wagen beschaffen; der gute Zimmermann scheint uns helfen zu wollen, kann aber wohl nicht. Um so besser. „“Jungfräulich„“ neue Situation. Wie lange noch. Großer Trost, die alten Wege, großer Trost die alten Täler und Höhenzüge. Das „“sehnliche Ziehen„“ dieser Höhenzüge. Müde zu Bett. Konnte aber nicht gut schlafen. Überaus große Klarheit, dabei Mut und Gleichmut, Überlegenheit.

    . Das Leben, unmittelbar nichts als Leben, Stirners Tiere des Waldes und Blumen des Feldes. Rousseauismus. Was will ein Mensch, der so spricht? Will er wirklich Tier oder Pflanze werden, wehrlos wie Tier und Pflanze, gebunden in seine Umwelt, gebunden in seine engen Gattungsmöglichkeiten, wehrlos und ohne Rüstung gegen seine Feinde, (die Rüstung wird uns zu schwer) ohne Rüstung und Hilfe, wehrlos vor allem gegen die anderen Menschen. Denn werden „wir“ auch Tiere und Pflanzen werden, was werden dann die übrigen Menschen tun. Oder sollen wir sie zwingen, ebenso wehrlos zu sein. Da hat der Mensch wieder den politischen Pferdefuß: Diese ganze Philosophie der Widerstandslosigkeit hat ja nur den Sinn, den anderen widerstandslos zu machen. Erst einmal die wehrlos, dann wird sich alles weitere finden. Grauenhafte Logik dieser Art von Harmlosigkeit und Entwaffnung.

    Dienstag, 7/9 43. Traum; ausgeschlafen, herrliches Frühstück, Brief von Frau von Schnitzler, rührend, schrieb an Jünger, Schranz (daß ich Montag komme). Vormittags auf das Essen gewartet, mit Jup geredet, nach dem Essen todmüde geschlafen, Kaffee getrunken, dann ein herrlicher Spaziergang über die Hohe Molmert, mit Jup; …

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