Freitag, 17. September 1943

  • Tagebucheintrag, Buch 19618

    . Morgens herumtelefoniert, der Oberbaurat ist zum Bezirksamt Zehlendorf gegangen und hat die Erlaubnis bekommen, meine Möbel zu besichtigen. Damit war mir ein Gang abgenommen. Ich fuhr mit einem Koffer zur Huttenstraße und holte dort, 4 Treppen hoch, die gereinigten Kleider für Duschka ab. Schleppte mich ab; rührend diese fleißigen Leute; die 56 Jahre werden eingezogen. 2 Franzosen, wie in Paris aufgemacht, in dem zerstörten Moabit. Mit dem Autobus T⁠ zurück, um 1 wieder zu Hause und mit Corrie zu Mittag gegessen. Dann geschlafen, inzwischen ist Frau Hahm gekommen. Um ½ 5 zu ihr, sie war nett, aber dann wird sie wieder zu laut und aktivistisch, herrlicher Kaffee, sie erzählte von Jelena als Diebin, aber es ist nichts geschehen, ging dann mit ihr zum Autobus; fuhr nach dem Wilden Eber, in der Amselstraße, wo Weber-Schumburg mich abholte. Die Bücher liegen in dem Keller von Holler (ein herrliches Haus, aber auch Höhle!). Im Keller, leider ist die Korrespondenz ganz sinnlos (er sagt, Frau Hahm hätte bereits alles eingepackt gehabt, als er kam). Die Sachen von dem dummen Sobotta gerettet! Nichts von Jünger, nichts vom Nomos usw. Unterhielt mich mit Weber-Schumburg, der müde und traurig ist (Waffenstillstand mit Westländern), Verhaftungen, zeigte den Brief von Jünger. Dann zurück, zu Abend gegessen, mit dem Baurat eingehend erörtert, wie der Transport stattfinden soll. Er ist ganz rührend. Eingepackt, dann mit dem Gast von Popitz, Langbehn, humanistische Bildung, über Bilder unterhalten, der Flötenspieler⁠ heraufgeholt, den Nolde, große Diskussion über Malerei, schöner Rotwein dazu. In herrlicher Stimmung zu Bett und wunderbar geschlafen. Den Alarm überhört, aber um ½ 3 trommelte Popitz mich aus dem Bett und wir mußten wieder für eine Stunde in den Luftschutzkeller. Halb im Schlaf, Corrie lernte hic haec hoc.⁠ Las Goethes Römische Elegien. Scheußlicher Priapismus.

    . Die Macht als solche ist böse, das kann schon sein, dann ist aber der allmächtige Gott der Allerböseste, erschreckend. (? noch hätte, das ist schon der Wille zur Macht; armer Satanist)

    Otto Veit, Die Tragik des technischen Zeitalters, 1935; schildert die Verzweiflung des Zivilistentums, des Fachmenschen, Herrschaft des Fachmenschen; Allgemeinbildung fehlt; das Allgemeine fehlt, eines, das macht ja heute der Politiker, wenn er nunmehr noch im Nationalsozialismus eine Korrektur und Gegenbewegung gegen dieses Zivilistentum sieht, so weiß man, um was es sich handelt. Der Fachmensch sucht einen Herrn; der Verrechtsstaatlicher trauriges Gerede zur Kritik der Zeit; Irrwitz, schon das weckt Tragik, gib dich nicht damit ab. Diese dummen Gesichter verzweifelter Menschen; nach einer Nacht des Fliegeralarms; gescheiter Schmus; Otto Veit immerhin ein Kronzeuge dafür, daß man der Bewegung ihren Sinn abgewinnen konnte, bis 36. Wenn ich schon dieses Gequatsche von „Irrational“ höre, das an die Stelle der Ratio treten soll! Jenseits des Erkennens. ( wieder gelesen, nachdem ich an Veit einen Brief über seine Flucht vor der Freiheit geschrieben hatte).

    Freitag 17/9 43. Morgens herumtelefoniert, der Oberbaurat ist zum Bezirksamt Zehlendorf gegangen und hat die Erlaubnis bekommen, meine Möbel zu besichtigen. Damit war mir ein Gang abgenommen. Ich fuhr mit einem Koffer zur Huttenstraße und holte dort, 4 Treppen hoch, die gereinigten Kleider für Duschka ab. Schleppte mich ab; …

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