Donnerstag, 21/10 43. Um 8 auf, wüster erotischer Traum, aber unterbrochen durchs Wecken von Üssie. Wir tranken Kaffee, mit Ännchen, es wurde 9 ¼, ich schleppte die schweren Koffer zur Bahn und fuhr mit Duschka nach Hagen. Bequeme Fahrt, nett unterhalten, dazu das Manuskript meines Nomos, das mir wieder gefiel. Fantasierten von unserer Reise nach Spanien, wo wir Weihnachten zu verbringen hofften. Das wäre ein omen. In Hagen eine Stunde gewartet, im Erfrischungsraum, Karte an Frau Jünger und Frau Hahm geschrieben, dann kam der Zug von Köln, die gute Claire war tatsächlich drin, rührend, hatte für Duschka einen Platz reserviert, so daß ich die beiden vergnügt abreisen ließ. Lief in dem zerstörten Hagen herum, scheußlich. Aber diese grauenhaften Gebäude verdienen es wirklich nicht anders. Immerhin: Die widerlichsten Amüsierlokale sind nicht getroffen. Fuhr um ½ 7 nach Plettenberg zurück. Kam ins Gespräch mit einem Mitreisenden aus Werl, der vor Leningrad liegt und beurlaubt ist und das zerstörte Hagen gesehen hatte; er meinte, wir haben den Krieg verloren, wir werden das nicht verhindern können; alles sind Phasen von der Vergeltung usw. Ich fragte ihn nach den Russen: Der Russe schießt zweimal, wenn wir einmal schießen usw. Schwärmte von den russischen Frauen; meinte aber auch, daß West und Ost die Juden sind usw. Sonderbare Mischung. Er hatte Mitleid mit den Finnen und den Rumänen. Sonderbar. Katholisch-westfälische Intelligenz. Fuhr um 3 mit der Kleinbahn sofort nach Plettenberg und ließ mir beim Friseur Stumpf die Haare schneiden, traf es gut, daß nicht viele da waren und war sehr glücklich, das erledigt zu haben. Ging über den Saley zurück. Ruhte zu Hause eine Stunde im Bett aus und aß zu Abend, mit einer Flasche Rotwein. Nachher mit dem Vater Skat gespielt, Ännchen fing an, auf ihrem Flügel zu üben, Üssie wurde wild, aber Ännchen hörte von selber schon vor 9 wieder auf. Es ist grauenhaft, diese Musikhölle. Du armer Teufel sitzt also an diesem lächerlichen Stück. Einige Briefe, aber nichts von der Fakultät. Der kommt wohl morgen.
Donnerstag, 21. Oktober 1943
Tagebucheintrag, Buch 19618
Donnerstag, 21/10 43. Um 8 auf, wüster erotischer Traum, aber unterbrochen durchs Wecken von Üssie. Wir tranken Kaffee, mit Ännchen, es wurde 9 ¼, ich schleppte die schweren Koffer zur Bahn und fuhr mit Duschka nach Hagen. Bequeme Fahrt, nett unterhalten, dazu das Manuskript meines Nomos …