Mittwoch 20/10 43. Schlecht geschlafen, Ekel von dem gestrigen Gespräch. Erst gegen 10 auf, Brief von der Fakultät, aber noch keine Stellungnahme zu meinem Urlaubsgesuch. Um ¼ 11, als ich mir gerade, nach dem Frühstück, behaglich Notizen machte (über die Conquista und Bruno Bauer), fiel der Vater plötzlich, im Eßzimmer, zu Boden und schlug sich über dem linken Auge den Schädel blutig. Wir hoben ihn auf, Duschka sorgte gleich rührend, Fräulein Geschke blieb pomadig, brachte ihn zu Bett, nachdem Duschka die Wunde ausgewaschen hatte. Rührend, der alte Proletarier, wie er, nachdem der erste Schreck vorbei ist, gleichgültig bleibt gegen sein eigenes Unglück. Ich half ihm beim Auskleiden und ging zum Schreibtisch zurück. Unmögliche Existenz. Schrieb an Popitz, Höhn und nach Affeln und brachte den Brief noch zur Bahn. Nach dem Mittagessen geschlafen, der Arzt Wilms kam und stellte fest, daß die Verletzung des Vaters ungefährlich ist. Wir tranken fröhlich Kaffee, die gute Duschka war rührend. Während des Nachmittagsschlafs wurde mir die hysterische Gemeinheit Ännchens mit Schreck bewußt, so kann man nur von seiner Schwester beleidigt werden. Aber das ist die Antwort aller meiner Bemühungen und meiner Gutmütigkeit, im Falle Günther Krauß war es ähnlich, und wenn Ännchen die Mutter so schlecht behandelt hat, kann sie mich nicht besser behandeln. Zwischendurch las ich Reinhold Schneider, hochinteressant, aber unangenehmer Edelschmus und existenziell falsch. Doch ist er ein Zuträger interessanter Zitate. Ging um 6 durch den Saley spazieren, im Dunkel und Nebel, Erinnerungen an die Spaziergänge des Gymnasiasten und Studenten, Pubertätserinnerungen mit Klärchen Dierkes, Flucht in die damals gebauten Gehäuse meiner Neurosen. Zu Hause war der Vater bei Ännchen und hörte zu, wie sie Unterricht gab. Ich korrigierte mein Manuskript über den Nomos und fand darin einigen Trost. Duschka war mit Üssie zum Einkaufen. Abends eine Flasche Wein, Ännchen übte im kleinen Musikzimmer.
Spielte mit dem Vater Skat, ging früh zu Bett, Duschka packte noch bis ½ 1 ein und schwatzte mit Üssie. Immer noch erschrocken von der Hysterie Ännchens.