Mittwoch, 27. Oktober 1943

  • Tagebucheintrag, Buch 19618

    . Schlecht geschlafen, Angsttraum, grauenhafte Situation, Sorge um Anima, soll ich nicht ein Testament machen, worüber, armer Teufel? Um 9 erst aufgestanden, schnell angezogen, um Claire an die Bahn zu begleiten, trug ich ihre Sachen, das gute und eifrige Wesen, Duschka kam auch noch, ärgerlich, daß Claire uns nicht geweckt hatte. Um 10 fuhr der Zug, wir gingen nach Hause zurück. Schöner Herbst; frühstücken sehr schön mit Kaffee, schöner Brief von Hodler, ich bin müde, aber am Schreibtisch funktioniert es noch ein bißchen, machte den Vortrag für Budapest zurecht.⁠ Will um ½ 1 mit Duschka mit der Kleinbahn nach Lettmecke fahren. Grauen und Ekel vor dem Gestöhne des Vaters, wenn er für sich allein sitzt; wie ein wütendes, aber feiges Tier. Fuhr um ½ 1 mit Duschka in der Kleinbahn nach Lettmecke, erschrak vor der Häßlichkeit dieses Landes, den ekelhaften Fabriken, den noch viel ekelhafteren Villen der Fabrikanten und der reichgewordenen Leute. Grauenhaft, schmutzig und boshaft häßlich; tausendmal schlimmer als nötig wäre und durch keine Zweckmäßigkeit zu rechtfertigen oder auch nur zu erklären. In Lettmecke trafen wir Üssie, die sehr müde war, besahen die Schule von außen und fuhren gleich wieder mit der Kleinbahn zurück. Etwas zu Mittag gegessen, dann eine Stunde gut geschlafen. Auch Duschka schlief gut. Wir tranken keinen Kaffee, ich schrieb an Hodler und Anima, brachte die Briefe zum Postkasten, ging dann über den Graben zum Grab der Mutter und war ½ 7 wieder zu Hause. Wunderbarer Abend im kalten Nebel und grauen Wasserdunst, der die Gräßlichkeit des Industriedorfes einhüllte. Was ich hier suche, ist die Kraft der Jugend, der Schutz der Berge, geheimnisvolle Ortung (hinter der Blemke, nach Allendorf hin, bis zum Westufer der Lennebrücke[)]. Immer stärkere Erkenntnis meiner lunarischen Wesensart. Das mußt du nun also wissen. Guten Wein getrunken, wundervollen kalten Entenbraten dazu; mit dem Vater Skat gespielt und früh zu Bett. Nachts im Dunkeln noch den Brief an Nowakow zur Post gebracht.

    Mittwoch, 27/10 43. Schlecht geschlafen, Angsttraum, grauenhafte Situation, Sorge um Anima, soll ich nicht ein Testament machen, worüber, armer Teufel? Um 9 erst aufgestanden, schnell angezogen, um Claire an die Bahn zu begleiten, trug ich ihre Sachen, das gute und eifrige Wesen, Duschka kam auch noch, ärgerlich, daß …

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