Sonntag, 28. November 1943

  • Tagebucheintrag, Buch 19618

    . Nachts Traum von Bilfinger, er ist eifrig und macht sich wichtig, es wird irgendwo vor einem Schalter verhandelt, an den er klopft. Ich höre, wie eine Stimme ihn einlädt, zum Auswärtigen Amt, für ½ 9 zum Kaffee, im Frack. Tief betroffen von meiner Niederlage, völlig Z, Selbstquälerei, müßte nach Berlin, kann aber einfach nicht, müßte Popitz schreiben, bei seinem Geburtstag dabei sein,⁠ weiß wirklich nicht, was ich machen soll, alle meine Niederlagen in Berlin überlegt, im Auswärtigen Amt, im Justizministerium, in allen anderen Behörden, Unverschämtheit von Heymann, von Bruns. Zu schwach, um mit einigem Stolz jetzt einfach zu verzichten. Duschka hat sich von Popitz feiern lassen. Sehe an der armen Üssie, was wir sind. Stand erst um 10 auf, im schönsten Schlaf durch Klaviermusik gestört, aber behaglich, immerhin in Angst, weil dieser Zustand ja nicht dauern kann. Frühstückte und schrieb an Ernst Jünger, Günther Schwartz. Das Essen war schlecht, zum Erbarmen, trotz des guten Schweinefleischs, aber die jämmerlichen Tanten können und wollen nicht kochen. Nach dem Essen im Regen mit Üssie nach Holthausen, trafen aber den Lehrer nicht; deprimierende Häßlichkeit dieser Industriedörfer, unbeschreibliche innere Jämmerlichkeit. Aber das wird sich noch lange halten. Auf dem Rückweg in der Kirche eine Andacht gehört (Litanei: daß du die Feinde auch [mit] meiner Art demütigen mögest, Herr erhöre uns).⁠ Gefühl der Aufgeschmissenheit, völlig Z. Zu Hause Kaffee von Ännchen, etwas ausgeruht und 2 Stunden schön gearbeitet, über Vortrag über Rechtswissenschaft, etwas über Bruno Bauer in die Kindheits- und Knabenzeit zurück. Tiefe Geilheit nach Hella oder anderen. Unveränderlichkeit meiner selbst, armselige Identität, in immer gleichen Schranken und Geleisen, die einen aus der wichtigen Straße. Eine Flasche Rotwein zum Abendessen, nachher Skat gespielt mit dem Vater und Üssie, Üssie bekam einen Wutanfall mit Tränen, weil Ännchen spielte, sie rannte auf ihr Zimmer, ich mußte sie herunterholen. Scheußlich. Dann noch im Zimmer herumgelesen, trauriger Zustand. Um 12 zu Bett. Völlig Z.

    Sonntag, 28/11 43. Nachts Traum von Bilfinger, er ist eifrig und macht sich wichtig, es wird irgendwo vor einem Schalter verhandelt, an den er klopft. Ich höre, wie eine Stimme ihn einlädt, zum Auswärtigen Amt, für ½ 9 zum Kaffee, im Frack. Tief betroffen von meiner Niederlage, …

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