Montag, 29/11 43. Nachts Traum von Portugal: Ich komme in Lissabon an, werde von einem Vertreter des Deutschen Instituts empfangen, 2 Griechen sind da und unterhalten sich mit mir (Daskalakis Erinnerung?), das Wahngefühl eines solchen Gastdaseins, sehe Lissabon am Tejo liegen, in einer violetten Färbung. Das Ganze war eine typische Fata Morgana niedrigster Art, Schwächezeichen, kein echtes Signal; Traum aus Schwäche, nicht aus starker Aufnahmefähigkeit. Nachher nochmals geträumt, von Höhn, dem ich etwas von Bruno Bauer zeige. Auch das erbärmlich, unfähig zum Widerstand, traurig, wie bei Ostermann, oder Hanebeck. Stand erst um 10 auf, dachte über Berlin nach, was soll man hier tun? Keine Post, schönes Frühstück. Warte auf Duschka, hoffentlich kommt sie morgen, aber ich wage es nicht zu hoffen. Machte einen Spaziergang über den Ibsenstein und den Saley, Basaltgraben, sehr schön, aber das unbehagliche Gefühl des Abgeschnittenseins. Etwas über Bruno Bauer und Judentum, manchmal gefällt es mir, manchmal bin ich völlig unfähig, noch eine Zeile aufzuschreiben. Nach dem Essen etwas an dem Budapester Vortrag geschrieben, etwas geschlafen, Kaffee getrunken, den Ännchen stiftete, danach wieder nett gearbeitet, fand sogar Ablenkung
darin, den Aufsatz für den guten Kuncz schön zu formulieren. Zum Abendessen Nahewein, gab Ännchen und Fräulein Geschke etwas mit, wir spielten nachher Skat, Üssie, Opa und ich, der Vater wollte immer sein Sparkassengeld loswerden, aber es kam nicht dazu. Abends noch Poe gelesen, mit großer Angst (Artur Gordon Pym), Alarm, einsam und traurig zu Bett.