Freitag, 31. Dezember 1943

Zwei Einträge an diesem Tag

  • 1. Tagebucheintrag, Buch 19618

    Freitag, 31/12 43. Traum: Ich komme zu spät zur Vorlesung (in München), ziehe mich lächerlich an, habe keine richtigen Kleider, bekomme die Elektrische nicht mehr usw. Bis 10 behaglich im Bett, aber Ischias- und Armschmerzen; genieße die letzten Tage, Schreck vor Berlin, seit den letzten Nachrichten über den Terrorangriff von Mittwoch abend.⁠ Aber Duschka hat Mut und will hingehen. Sie ist mit Anima nach Plettenberg gegangen. Diese Nacht hat es geschneit, wunderschönes Wetter. Nach dem Frühstück wieder behaglich einige Minuten am Schreibtisch im Keller, wahres refugium, vor dem Tabakdunst und sonstigem Stunk dieser Atmosphäre. Ännchen brachte mir eine Tasse heißen Kaffee. Diese armen Schmitts, nach dem Essen nach Plettenberg, bei Schuster Geck die Gamaschen geholt, nebliges, warmes Wetter, Winterschlaf, dann zweimal an die Bahn, um Tante Claire abzuholen, die aber nicht kam, sehr traurig, Schmerzen im Arm, was soll ich machen, schönes Abendessen, mit Sekt, Kartoffelsalat und Bratwurst, was sich Ännchen gewünscht hatte, Üssie streikt, wie immer, lächerlicher Zustand; nachher am Kamin, O Maria hilf gesungen, so wurde es 12 Uhr, dann ging ich müde ins Bett.

    Freitag, 31/12 43. Traum: Ich komme zu spät zur Vorlesung (in München), ziehe mich lächerlich an, habe keine richtigen Kleider, bekomme die Elektrische nicht mehr usw. Bis 10 behaglich im Bett, aber Ischias- und Armschmerzen; genieße die letzten Tage, Schreck vor Berlin, seit den letzten Nachrichten über den …

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  • 2. Briefentwurf, Buch 19618

    An Frau von Schnitzler geschrieben: Laudse ist eine wunderbare Nahrung und wohl geeignet, einem die immer wiederkehrenden Anfälle eines „Willens zu“ etwas abzugewöhnen.⁠ Man sieht dann deutlicher, daß dieser jämmerliche „Wille zu“ die tiefste Ohnmacht, weil unfruchtbarste Ohnmacht, ist. Aber der Anblick des zerstörten Berlin, der zertrümmerten Wohnblöcke im Inneren der Stadt, der weggeblasenen Villen in den Vororten vermittelt doch noch Erkenntnisse anderer Art, Enthüllungen der Kern-Situation des christlichen Äon und des Schicksals der termitisierten massa perditionis unserer Großstädte, die keiner Erschütterung, keiner Erweckung, keiner Wiedergeburt mehr fähig sind. Ich bleibe dabei: Tout ce qui arrive⁠ und vertraue auf den geheimnisvollen Sinn dieses tremendum. Beten Sie für uns, wie wir für Sie beten.

    31/12. 43. An Frau von Schnitzler geschrieben: Laudse ist eine wunderbare Nahrung und wohl geeignet, einem die immer wiederkehrenden Anfälle eines Willens zu etwas abzugewöhnen. Man sieht dann deutlicher, daß dieser jämmerliche Wille zu die tiefste Ohnmacht, weil unfruchtbarste Ohnmacht, ist. Aber der Anblick des zerstörten Berlin, der …

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