Freitag, 7/1 44. Schlecht geschlafen, etwas erkältet, erst ½ 12 aufgestanden, Kaffee getrunken und im refugium an den Schreibtisch gesetzt, um etwas zu arbeiten. Brief von Schmoller und Neuss. Angst vor Berlin, wird immer unheimlicher, kälter und beziehungsloser; Trost in einem amor fati. Ziemlich bedrückt, Schmerz im Oberarm, Gefäßgeräusche im Ohr und im Hinterkopf. Duschka ist noch im Bett. Anni hat telefoniert, daß sie in Berlin ist und gerne hilft. Ich werde wohl Sonntag reisen können? Ich saß etwas am Schreibtisch, wollte über Staatensukzessionen schreiben. Kam natürlich nicht dazu, nach dem Essen etwas ausgeruht, dann mit Üssie an die Bahn, um Claire abzuholen, die aber nicht kam; traurig; nach dem Kaffee nochmals. Der Zug hatte über eine Stunde Verspätung, sie kam aber nicht mit. Anima und Claire-Luischen liefen mir im Dunkeln weg, darüber war ich wütend, brachte Üssie nach Hause und rannte zurück, Angst, Sorge, Wut, alles durcheinander, wollte sie verprügeln und hätte es in der Wut wohl auch getan, aber als ich die beiden an der Sperre stehen und auf den Zug warten sah, war ich schon wieder besänftigt; und als Anima mit netter, sympathischer Stimme sagte: Entschuldige doch bitte, Papa, wir wollen es nicht wieder tun, war ich sogar glücklich. Wie arm und lächerlich ist das alles. Katastrophenstimmung. Josef Schröder soll uns Sonntag helfen, das Gepäck bis Hagen bringen. Voller Verzweiflung; nicht einmal ein anständiger Tod; angemessener Tod. Dann wieder etwas Ablenkung durch völkerrechtliche Arbeit von Schnitzer und der Kritik daran. Das lächerliche, verfressene Ännchen; die lächerliche, vermottete Tante Üssie; welch ein Haushalt! Zum Abendessen (serbische Weihnachten) eine Flasche schönen Bordeaux (23, Geschenk von Mutius), war herrlich, ich hatte aber heftige Ohrenschmerzen (Eustachische Röhre), Duschka und Üssie stopften Strümpfe, ich ging um 11 ins Bett, mit meinem Schnitzer.
Freitag, 7. Januar 1944
Tagebucheintrag, Buch 19618
Freitag, 7/1 44. Schlecht geschlafen, etwas erkältet, erst ½ 12 aufgestanden, Kaffee getrunken und im refugium an den Schreibtisch gesetzt, um etwas zu arbeiten. Brief von Schmoller und Neuss. Angst vor Berlin, wird immer unheimlicher, kälter und beziehungsloser; Trost in einem amor fati. Ziemlich bedrückt, Schmerz im Oberarm, …
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Genannte Entitäten
Personen
- Anima Schmitt de Otero (20.8.1931-17.6.1983)
- Anna Margarete Schmitt (1902-1954)
- Anni Stand (1915-1997)
- Auguste Schmitt (1891-1992)
- Bernhard Mutius (1913-?)
- Claire Schmitt (1885-1966)
- Claire-Louise Schmitt (1931-2012)
- Duška Schmitt (1903-3.12.1950)
- Gustav Schmoller (7.2.1907-11.2.1991)
- N. N.
- Wilhelm Neuss (1880-1965)
Werke