Samstag, 8/1 44. Des Nachts heftige Ohrenschmerzen. Traum von Bruno Bauer, alles durcheinander, scheußlich, stand auf und nahm neue Watte, alles grauenhaft. Um ½ 11 aufgestanden, zur Post gegangen und 3 Telegramme aufgegeben (an Frau Bartels, an Familie Stand nach Hildesheim, an Fräulein Samić), sie werden aber wohl nicht mehr ankommen. Duschka läßt sich nicht aus ihrem Tempo treiben; traurig nach Hause, sehe den Neid der Plettenberger, den grausigen Mief von Üssie, alles scheußlich, nur die Kinder sind lustig und nett. War krank, aß mein Frühstück. Schwitzte, bin müde und habe Ohrensausen. Etwas am Schreibtisch im refugium. Soll es also wirklich morgen in den Kessel gehen? Schöner Brief von Semjonow, der mich sehr rührte. Mittags kam Claire, zu meiner großen Freude. Nach dem kümmerlichen Mittagessen (Tasse Kartoffelsuppe, von Ännchen gekocht) schlief ich 2 Stunden, gut verpackt von Claire und mit etwas Öl im Ohr. Um 4 kam ein Brief von Ahlmann, den eine Frau Pastor Weimar überbracht hatte, von Burg Bröhl, wunderschön, an Duschka, über „das gastlichste Haus, daß ich je kennengelernt habe“. Stand auf, trank Kaffee, herrlicher Kuchen, aber ungeduldig, weil Duschka sich nicht beeilte. Käthe Schmandt war da. Ich ging zum Bahnhof und holte die Billette, scheußlich. Aber dann wieder sehr glücklich, als es gut erledigt war. Noch ein herrlicher kleiner Spaziergang zum Eschen, der dunkle Bergkranz des Abends, schützend und umhüllend. Also morgen in den Kessel.
8/1 - 20/1 44 vergleiche anliegend
8/1 44. Nachmittags kam Besuch von Frau Bremer und ihrer Schwester, die einen Brief von Ahlmann brachte. Ännchen holte mich aus Faulheit oder Dummheit nicht aus dem Bett; holte auch Duschka nicht. Ich war ärgerlich und wütend, schöner Brief (das gastlichste Haus, das ich je gekannt habe). Ging noch zur Bahn, Karten holen, etwas spazieren, noch eine Stunde über Staatensuccessionen. Duschka machte ein schönes Abendessen, tranken roten Sekt dazu, dann ging ich todmüde mit Halsschmerzen zu Bett. Währenddessen packten Duschka und Claire ein. Die rührende Claire will mit nach Berlin fahren. Sie ging erst um 5 zu Bett, stand schon um 6 wieder auf.