Montag, 17/1 44. Nicht gut geschlafen, nervös, Ohrenklingen, aber ausgeruht, eine Stunde lang angezogen, rasiert, wieder ins Bett, Vorlesung überlegt, um ½ 11 aus dem Haus und mit der U-Bahn in die Stadt. Will Schöler den Kanne schicken. Stieg Kaiserhof aus, ging an der Buchhandlung Schweitzer vorbei, um den Savigny zu kaufen, bekam ihn aber nicht, zum Postamt in die Französische Straße, Brief an Schöler geschickt, noch einen an Medem, froh, das erledigt zu haben, und zur Universität. Dort sprach mich Thöne an, der die Bücher von der Staatsbibliothek transportiert und mir helfen will, was mich sehr freute, Brinkmann zeigte den Brief von Frau Sombart, deren Bücher verbrannt sind. Brinkmann will wieder bei uns wohnen. Hielt dann meine Vorlesung, etwas eilig, aber gut und gedrängt. Nachher kam ein Ungar, der versprach, das Manuskript meines Budapester Vortrags zu besorgen. Traf noch den Doktoranden Maiwald, Unter den Linden, Ritterbusch und seinen Bruder, der Bruder gefiel mir, Ritterbusch war mißtrauisch, ich war ganz klein und dünn, sagte nichts, sprach einen Augenblick von meiner Ausbombung, deprimierend und voller Angst vor diesen Henkersknechten. Zum Adlon, dort Mutius getroffen, dann auch Weber-Schumburg. Wir aßen gut, tranken eine Flasche Rotwein, Weber-Schumburg erzählte von Schweden, aber nicht ganz durchsichtig. Ich bezahlte, kaufte mir noch eine viel zu teure Flasche Wein, durch Vermitteln von Weber-Schumburg beim Barkellner. Fuhr nach Schlachtensee, Duschka war entzückend, die Unverschämtheit von Müller-Albrecht scheint auch den Behörden klarer zu werden. Suchte einige Bücher, fand meinen Aufsatz über den Wahnmonolog. Aß um 5 ein Butterbrot und fuhr nach Steglitz zurück. Angst vor Alarm, weil dunkles Wetter. Zu Hause nicht ins Bett gegangen, bei Popitz im Zimmer, Donoso Cortés Reden gelesen, sehe meine frühere Unwissenheit, Popitz fand meinen Richard Wagner-Aufsatz von 1912 sehr schön; was mich natürlich freute. Beim Abendessen war ich bescheiden, nachher hörten wir Radio (Furtwängler-Konzert, Beethoven-Violinkonzert), schön, aber mir zu lang, dann Rotwein getrunken (die Spätweinlese), 2 Flaschen, Popitz war rührend nett und sprach über meinen Budapester Vortrag, fand, daß die juristischen Begriffe (insbesondere Achtung vor der Person) philosophischen Ursprungs sind, daher die Absetzung gegenüber der Philosophie und Theologie schwieriger ist, im übrigen rühmte er den Aufsatz als mutig. Ich war glücklich, jemanden zu finden, der meine Äußerungen liest und mit dem ich darüber sprechen kann. Um 12 ins Bett.
Montag, 17. Januar 1944
Tagebucheintrag, Buch 19618
Montag, 17/1 44. Nicht gut geschlafen, nervös, Ohrenklingen, aber ausgeruht, eine Stunde lang angezogen, rasiert, wieder ins Bett, Vorlesung überlegt, um ½ 11 aus dem Haus und mit der U-Bahn in die Stadt. Will Schöler den Kanne schicken. Stieg Kaiserhof aus, ging an der Buchhandlung Schweitzer vorbei, um den …
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Genannte Entitäten
Personen
- Bernhard Mutius (1913-?)
- Carl Brinkmann (19.3.1885-20.5.1954)
- Corina Sombart (1892-1970)
- Duška Schmitt (1903-3.12.1950)
- Eberhard Medem (29.12.1913-19.1.1993)
- Erland Weber-Schumburg
- Friedrich Carl Savigny (21.2.1779-25.10.1861)
- Fritz Ritterbusch (11.1.1894-14.5.1946)
- Johannes Popitz (2.12.1884-2.2.1945)
- Juan Donoso Cortés (1809-1853)
- Ludwig Beethoven (17.12.1770-26.3.1827)
- N. N.
- N. N.
- Paul Ritterbusch (25.3.1900-26.4.1945)
- Serge Maiwald (4.8.1916-22.2.1952)
- Wilhelm Furtwängler (25.1.1886-30.11.1954)
- Wilhelm Müller-Albrecht
Orte
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Werke