Mittwoch, 17. März 1943

  • Tagebucheintrag, Buch 19618

    Sirach 14/12): Tue Gutes deinem Freund vor deinem Ende (denn der Tod säumet nicht und du hast keinen Bund mit dem Tod geschlossen).⁠ Traum von Würzburg, Giselher Wirsing, im Untergrund die erotischen Erinnerungen an Lola.⁠ Das also bleibt vom Leben, dabei sind gerade die problematisch-zerrissenen Beziehungen zu Frauen die süßesten und nachhaltigsten Süßen, unendlich nachklingend. Morgens kam ein Brief aus Würzburg, ich soll im Sommer dort den Vortrag halten, will es tun. Die das Maß verloren, unsre Väter. Der Pietismus mit seiner Trennung von Innen und Außen; damit war das Maß verloren; darauf muß sich auch Hölderlins Vers beziehen? Damit der große Bismarck schön getroffen. Der Glaube ohne Werke führt zu Werken ohne Glauben.

    Nachmittags 4 bei der Leiche Hahms; er sieht völlig abwesend aus, friedlich insofern er mit uns nichts mehr zu tun hat, hat sich in Sicherheit gebracht vor uns, der alte Fuchs und Taugenichts.

    Las den Precepteur von Thomas; erinnert mich zu sehr an die schreibenden Produkte der collèges, aber ein echter Ansatz: Die Typizität der existenziellen Wirklichkeit, immer die gleiche Situation, keine Annäherung, sondern nur verschiedene Kreise um das Zentrum; das Zentrum aber ist die typische Situation: Hier: Der von einem anständigen Menschen auf dem Rücken davongetragene, furchterregende Schwächling.

    Rörig rief nachmittags an und kungelte gegen Ritterbusch, Brinckmann; seine große Idee, daß das mittelalterliche Reich keine „Weltherrschaft“ war, gegen die Geistesgeschichte usw. Thomas bestärkte mich in meinem Vertrauen darauf, daß man nichts wollen soll.

    Mittwoch, 17/3 43. Sirach 14/12): Tue Gutes deinem Freund vor deinem Ende (denn der Tod säumet nicht und du hast keinen Bund mit dem Tod geschlossen) Gedenke, daß der Tod nicht säumet; und du weißt ja wohl, daß du keinen Bund mit dem Tode hast. Tue Gutes dem Freund vor …

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