Dienstag, 20/4 43. 5 Mos 29.1. Furchtbare Flucht, großartigste Volks-Geschichte (nicht Welt-Geschichte!): Ihr habt gesehen alles, was der Herr vor euren Augen getan hat in Ägypten dem Pharao und allen seinen Knechten. Traum: Mit Hella, sie war zudringlich, ich bin dumm und schwach, will mich drücken, gehe nicht mit ihr in den südlichen Teil des Kurfürstendamms. Komme an eine Straße oder Platzende Charlottenburg, die Deutsche) Reichsstraße heißt; Leute, tingelte , trauriger Betrieb, wo früher die Autos fuhren. Ich sage ihr sadistisch: Ich will Dir einmal richtig weh tun. Durch eine gehemmte, verwirrte, unsicher gewordene Geilheit. (Erinnerte mich an Turel: Staats-Masochist, Sexualsadist). Abschied von Frau Jünger und Carl Alexander, die heute Mittag abreisen. Schöner Brief von Bruno Brehm, der mich glücklich machte (die Prophezeiung von 1880, daß im Jahr 1940 alles voll Radfahrer wäre!) Will ihm Leviathan schicken und freute mich darauf, sympathischer Brief von Jup, von Sobotta (ohne mir!) Flaggenbefehl wegen des Geburtstages. Regnerisches Wetter, zum Glück. Um 10 mit der U-Bahn zum Kurfürstendamm gefahren wegen meiner Spanienreise. Entschlossen nicht zu fahren, wäre nicht sicher genug. Bereitete etwas Aufsehen; er ist nett, will nach Madrid telefonieren, er sprach gegen Heidegger, ich ging nicht erleichtert, aber doch mit dem Gefühl einer Vertagung weg. Hinterher Benito Cereno. Gefühl sehr deutlich. Zur Universitätsbibliothek, Davenport nachgesehen, einen Bund Zeitschriften für Völkerrecht nach Hause genommen. Nach dem Essen geschlafen, bis 5 und aufgeräumt. Das Wetter klärt sich schon auf. Den Leviathan an Bruno Brehm geschickt (mit Ostergrüßen). Mit Anima zum U-Bahnhof Thiel-Platz, um Blötz und Weber-Schumburg abzuholen, die aber mit der S-Bahn gekommen waren. Schönes Abendessen mit gutem Wein, eine Flasche Bösinger hatte Weber-Schumburg mitgebracht. Gut unterhalten, über die Briefe von Brehm, über das Ende der Justiz, über Rotenberger (das liegt ihnen allen am meisten am Herzen), gab Blötz Benito Cereno. Um 12 gingen sie weg, kurz nachher war Luftalarm, als wir noch im Zimmer saßen, sie kamen zurück, wir warteten im Luftschutzkeller bis 2 Uhr, tranken einen Cognac, erzählten über Brehm (dem Blötz nicht traut, Duschka findet ihn ). Nachmittags sprang mir der Vers Dan. 5.30 mitten ins Gesicht.
Dienstag, 20. April 1943
Tagebucheintrag, Buch 19618
Dienstag, 20/4 43. 5 Mos 29.1. Furchtbare Flucht, großartigste Volks-Geschichte (nicht Welt-Geschichte!): Ihr habt gesehen alles, was der Herr vor euren Augen getan hat in Ägypten dem Pharao und allen seinen Knechten. Und Mose rief dem ganzen Israel und sprach zu ihnen: Ihr habt gesehen alles, was der Herr …
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Genannte Entitäten
Personen
- Adrien Turel (5.6.1890-29.6.1957)
- Alexander Jünger (9.3.1934-22.4.1993)
- Anima Schmitt de Otero (20.8.1931-17.6.1983)
- Bruno Brehm (23.7.1892-5.6.1974)
- Duška Schmitt (1903-3.12.1950)
- Erland Weber-Schumburg
- Ferdinand Blötz (1901-23.9.1970)
- Frances Gardiner Davenport (1870-1927)
- Gretha Jünger (14.3.1906-20.11.1960)
- Hella Ehrik
- Joseph Schmitt (1893-1970)
- Martin Heidegger (26.9.1889-26.5.1976)
- Rothenberger
- Wilhelm Sobota
Orte
Werke