Sonntag, 1. August 1943

  • Tagebucheintrag, Buch 19618

    . Um 8 auf, mit den Kindern in die Kirche zur Primiz von Heinrich Leithiger, wo Anima die Krone trug.⁠ Wunderschöne Feier. Ergreifend, der rührende Pfarrer Gebhardt in seiner Predigt (keine Statistiken berichten darüber, wie viel Frieden die Priester durch die Beichte gestiftet haben usw.). Gute, disziplinierte und bewußte Haltung dieses jungen Jesuiten, der die Primiz feierte. Alles tief ergriffen, während rings das große Stalingrad entsteht. Wir gingen nach Hause, frühstückten schön, herumgelegen, etwas geschlafen, nach dem Essen wieder zu Bett, aber entsetzliche Hitze, gebadet, um ½ 5 zu Rörig. Mit ihm schöner Tee und Kuchen, sowie eine Flasche Graacher getrunken. Natürlich über Italien philosophiert, immer wieder rückwärts gerichtet, Angst dieser guten Nationalbürger um ihr Besitztum, aber ich bin sicher, daß sie viel versteckt haben. Mussolini liest Nietzsche (sein Dankschreiben möchte ich gerne lesen).⁠ Um ½ 9 wieder zu Hause, das große Fräulein Samić, eine Serbin, half Duschka und ordnete die Papiere, wir überlegten abends, daß Duschka und Claire mit den Kindern nach Cloppenburg fahren, Dienstag, wenn noch Züge fahren. Ich bin wie gelähmt, trinke eine Flasche Wein. Traurig, erledigt. Manchmal wieder getröstet, durch den Gedankendrang, daß ich schon einmal einem solchen Kataklysmus entronnen bin, Unfähigkeit zur Willenslosigkeit, Unfähigkeit zu starkem Willen; armes Treibholz.

    . Trost in dem Gedanken der Isoliertheit, Bruno Bauer, aber auf diesem Weg komme ich vielleicht doch zur Ruhe, will nichts; warte auf die Gnade, nicht vielleicht sogar die des Märtyrers, so lächerlich es ist, anders geht es ja nicht; alle Sätze der Christenlehre werden jetzt wahr; besser durch als für;⁠ aber die Schwäche: lieber selbst verderben als Spiel-Verderber.

    . Ab illo benedicaris in cujus honore cremaberis. In ignem mittetur (Heiliges Evangelium, 7. Sonntag nach Pfingsten).

    Sonntag, 1/8 43. Um 8 auf, mit den Kindern in die Kirche zur Primiz von Heinrich Leithiger, wo Anima die Krone trug. Wunderschöne Feier. Ergreifend, der rührende Pfarrer Gebhardt in seiner Predigt (keine Statistiken berichten darüber, wie viel Frieden die Priester durch die Beichte gestiftet haben usw.). Gute, …

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