Wunderbar Jer. 34.17)
Freitag, 20/8 43. Trotz des Alarms gut ausgeschlafen, bis 10 Uhr; herrlicher Tag. Erfrischt, aber der Feind, die Giftschlange (dachte an die Novelle von Nobert Jacques) hat mich schon getroffen. Grauenhafte Flucht, wohin. Das Land und das Volk zerstört. Dabei Cloppenburg gut erhalten, es könnte alles so weitergehen, wie vor 10 Jahren. Traum von Goruneanu und den Rumänen, von einem Zusammenstoß im Auto (am Fluß), halbes Gehirntrauma; Gefühl der inneren perditionis, sehnsüchtig an Spanien: War dort der Retter? Alles habe ich gewußt, nichts getan. Frühstückte, sah die Zeitung, „Der Sieg greifbar nah“, sah, wie ich mich durch guten Kaffee verwöhnt habe, ging durch die Straßen, die alte Kirche, Barockaltäre, eine autoritäre Lehrerin, der Gasthof Kleene, zum Bahnhof, erkundigt, wollte Anima Blumen aufs Zimmer stellen mit meiner Karte (um sie an so etwas zu gewöhnen!). Ging also zum Blumengeschäft Eiben, kaufte meine Blumen, in dem Augenblick Alarm, man wurde auf der Straße angehalten. Ich ging mit meinen Blumen zum Hotel. Ging auf mein Zimmer. Das ist also das neue Diesseits. Wer weiß, ob ich überhaupt nach Berlin zurückkomme. Immerhin der Spielraum ihrer Bosheit wird geringer. Brachte Anima nach dem Alarm die Blumen, aß Erbsensuppe, zu Mittag (traf Anima am Tisch bei Wesselings, wunderschön). Ging zu Bett bis 4 Uhr, öfters durch Radio gestört, heftiges Ohrenzirpsen und Geräusche. Um 4 auf, wollte Anima entgegengehen, sie kam aber nicht, trank ein Glas Bier, dann ihr wieder entgegen, sie kam ½ 5 allein, ohne Claire-Luischen, wir gingen in die Konditorei Frerker, aßen sehr schönes Eis. Ich war glücklich, dem Kind etwas zum Geburtstag mitzubringen. Dann gingen wir zu Frau Kleene, die sehr nett war, brachte ihr Zündhölzer mit. Schrieb eine Karte an Duschka und an Jup. Dann zum Kloster, die sympathischen Nonnen, zeigten mir das Kloster und den Garten, Anima behauptete, eine Großnichte der seligen Pauline von Mallinckrodt zu sein, dann brachte ich das Kind zu Wesselings und ging zum Abendessen ins Deutsche Haus. Mußte lange warten, um 8 ging ich wieder zur Bahnhofstraße (tief bedrückt von den Menschen neben mir am Tisch, Organisation). Anima kam in einem Pony-Wägelchen gefahren, entzückend, fuhr etwas mit, dann fuhr sie zur Mühle, ich ging zu Wesseling, sprach mit Herrn Wesseling, um den Tisch im Garten unter der Ulme, wunderbar, Familienbesprechung über den Betrag, 2 Flaschen Rotwein getrunken, wichtige Begegnung, die sympathische Frau, die Tränen und Fräulein Mias Lampenfieber, taktloser Kerl. Sonst sehr nette Anregungen, Anima kam erst spät zurück, mit dem Pony, als es schon dunkel war, hatte Sorge, daß sie sich erkältet. Um 11
nach Hause und zu Bett. In der Dunkelheit die Bahnhofstraße herunter, die Raumveränderung durch Lichtveränderung. Wesseling sprach davon, daß die Menschen sich helfen müssen, daß er sich schon 1934 gefragt hat: Hoffentlich bin ich nicht mehr richtig, und nicht alle anderen; der große Betrug, trotz[dem] nicht möglich aufzuhören, Trost und zugleich noch tiefere Verstrickung.