11/1/44. Herr John besuchte Popitz. Ich wartete darauf, gerufen zu werden. John ging aber weg, wußte nichts von meinen Vortragsplänen, dann abends bei Popitz in seinem Zimmer bis ½ 12. Tranken einen guten, aber etwas säuerlichen Rauenthaler.
Dienstag, 11/1 44. Um 4 Voralarm, einen Augenblick wurde heftig geschossen, ich stand auf, auch Duschka und Claire, aber wir gingen nicht in den Luftschutzkeller und nach einer halben Stunde schon wieder zu Bett. Dann wieder um 8 aufgestanden, aber nicht ausgeschlafen. Liebe und Sorge zu Duschka, die aber sehr mutig und tapfer war. Begleitete die beiden zum Autobus, um ½ 11, und fuhr dann von Steglitz in die Stadt. War schon um 11 Uhr da, beim Dekanat, beim Rektor wegen der Übungen in meiner Vakanz, bei Carl Brinkmann, und seinem Assistenten von Köppen, nett mit Brinkmann über seine Weihnachtsferien und die „Magie“ von Frau Schmitt. Plötzlich Alarm, um ½ 12, in den Luftschutzkeller der Universität, Tausende von Studenten, mit Gieseke, Siebert noch etwas gesprochen, aber traurig und irgendwie erledigt. Die Hälfte der Professoren war noch da. Um ½ 1 Entwarnung, traf Echebarría , hielt meine Vorlesung und freute mich, das erledigt zu haben. Mit Hopp, den ich Unter den Linden traf (Staatsbegriffe, dummer Kerl übrigens, aber sympathisch), dann zum Adlon, Mutius getroffen, sehr schön mit ihm gesprochen, über Wirtschaftsministerium, Papen und Epp, die Friedensfühler, und Gehre, er hat alles großartig besorgt, schöner Rotwein, schlechter Fisch, das Ganze kostete mich fast 50 Mark. Freute mich aber, Mutius gesehen zu haben - große Freude über Echebarría, der mich morgen um 1 treffen will, einen Anzug mitgebracht hat, ein Kleid für Duschka! Unglaublich. Um 4 in der Brentanostraße, Sehnsucht nach Duschka und Sorge um sie. Schlief etwas, um 5 Tee mit Popitz, dann Corrie besucht, die krank ist, auf meinem Zimmer etwas nachgedacht, Duschka ein Telefonat, abends mit Popitz und Hodler zusammen zu Abend gegessen; wieder auf mein Zimmer, Vorlesung Völkerrecht etwas überlegt, eigentlich sehr friedlich, trotz der vielen Alarme. Wut von Popitz, wenn er hört, daß es mit Berlin zu Ende sein soll. Herr John besuchte Popitz, ich wartete darauf, gerufen zu werden. John ging aber weg, ließ mich grüßen, Conde wußte nichts von meinem Vortragsplan. Dann abends bei Popitz in seinem Zimmer, bis ½ 12, tranken einen guten, aber etwas sauren Rauenthaler. Sprachen über Berlin (Mutius hatte gesagt: Der Arbeiter Jüngers ist ein Berliner, anderweitig gibt es ihn gar nicht!), ging zufrieden zu Bett.