traf Höhn und sprach nett mit ihm.
Gutjahr
Donnerstag, 13/1 44, todmüde, konnte kaum aufstehen, schließlich doch um 9, heftige Schmerzen im Magen. Allmählig ging es natürlich, überlegte meinen Brief, telefonierte mit Duschka, ging nach Steglitz zum Bahnhof, fuhr zur Universität, dort diktierte ich einen Brief, ein freundliches Mädchen, an den Bezirksstadtrat, schrieb an Conde (Echebarría nimmt es mit für den Kurier), an Groh, an Ännchen. Allmählig teile ich die neue Adresse Schlachtensee mit, obwohl mir der Müller-Albrecht noch Angst macht. Traf Höhn und sprach nett mit ihm, auch Hartung, dann hielt ich meine Vorlesung Verwaltung sehr gut, freute mich darüber, gab nachher Echebarría seine schöne Mappe zurück und den Brief für Conde, Gutjahr war da, sehr glücklich darüber, er begleitete mich zum Finanzministerium und will um 4 mit nach Schlachtensee fahren. Holte Popitz in seinem Ministerium ab. Er rief bei Zahler an, ich soll mich morgen untersuchen lassen. Wir fuhren zusammen zur Brentanostraße, durchs zerstörte, gossenhafte Berlin. Ich war todmüde. Aßen allein zu Mittag, sprachen über den Ministerialdirigenten Ribbe, über Referendarerfahrungen, die Vorliebe für Civilprozesse, ruhte dann eine Stunde aus, um 4 Anruf wegen des Neudrucks der „letzten globalen Linie“ an Herrn Rölden, dann kam Gutjahr. Erzählte sehr nett von Žytomyr und dem Rückzug, seinem Divisionär (Papenbroock), wir fuhren im Autobus nach Zehlendorf, dann nach Schlachtensee, Duschka bewirtete uns mit gutem Tee, ich gab das von Hodler besorgte Handwerkszeug ab, Gutjahr plauderte sehr nett, Claire kam auch. Ich war aber müde und deprimiert, obwohl mich der Besuch von Gutjahr sehr erfreut hatte. Wir fuhren mit der S-Bahn zurück, sprachen über Friedensmöglichkeiten, Unsinn der rassendoktrinären Politik, er war aufgeschlossen und klug, ich freute mich sehr über ihn, ging dann in der Dunkelheit von Steglitz zur Brentanostraße, gegen 7 angekommen, etwas auf meinem Zimmer, dann zu Abend gegessen; Heringe, Kartoffeln, nachher schwarzes Brot (Kriegsbrot mit Butter und Käse, unabsichtlich, aber doch nicht bedeutungslos[)]. Nachher holte Corry den Radioapparat ins Herrenzimmer und spielte, ich ging müde auf mein Zimmer, kann diese Musik nicht mehr vertragen. Las zwischendurch einen Aufsatz von über Kantorowicz Friedrich II., diese armseligen Deutschnationalen, wie sind sie im Grunde unterlegen. Tiefe Depressionen. Um 10 wieder heruntergegangen, eine Flasche Hochheimer getrunken, sauer, war aber froh, etwas Wein zu haben, wie die Ratte, fragte, ob er nicht religiös sei, er will nicht darüber sprechen, kam immer wieder auf die Deutschen zurück, die falsche Kritik, sah einen wissenschaftlich unwissenschaftlichen Relativisten, will Judengesetze machen, christlicher Staat, sah den Abgrund, der uns trennt, todmüde.