Samstag, 15. Januar 1944

Ein Eintrag an diesem Tag

  • Tagebucheintrag, Buch 19618

    . Schlief bis 10 Uhr, war trotzdem todmüde und schwach, sah um 11 Popitz in seiner Uniform zu einer Beerdigung fahren (eines Ministerialrats Richter aus seinem Ministerium, Burschenschaftler); frühstückte und fuhr mit dem Autobus nach Schlachtensee, schleppte meinen Talar mit. Dort war schon der Student Altmann aus Frankfurt am Main, half Bücher aufräumen, glücklich über das Wiederbegegnen mit den Büchern, Duschka war lieb und nett, ebenso Claire und Anni. Wir aßen um ½ 2 bescheiden zu Mittag, nachher gingen wir durch den Garten, ich möchte wissen, ob Duschka zufrieden ist, oder nur meinetwegen so tut, erstaunlich, eine solche Wohnung zu finden, die Sache mit dem elenden Müller-Albrecht wird sich wohl regeln (er ist im juristischen Examen durchgefallen), schlief nach dem Mittagessen über eine Stunde in dem Federbett, wunderbar warm, aber traurig, die Kiefern dieser märkischen Landschaft, ich bin doch hier fremd, wieder Angst vor der neuen Wohnung, aber Duschka geht ihren Weg; entdeckte Notizen über Donoso Cortés und wunderte mich über mein Wissen als 33Jähriger. Dann stand ich wieder auf, ordnete ein paar Bücher, wartete auf Duschka und Claire, die aber nicht kamen, trank mit Anni schönen Tee und ging zum Bahnhof Schlachtensee, fuhr nach Steglitz zurück, Popitz hatte Besuch, ich unterhielt mich noch nett mit Corry, korrigierte meinen Vortrag über die Lage der europäischen Rechtswissenschaft, den Mutius geschickt hatte, das Glück der Ablenkung, die in einer solchen Arbeit liegt. Schöne Unterhaltung mit dem guten Hodler, dessen Schwägerin verstorben ist; ein rührender, lieber Kerl, rührend das Schwächlich-Katholische seines Wesens. Beim Abendessen nette Unterhaltung mit Popitz über die Beerdigung, die Kraft der Lutherischen Bibel, Corrie war sehr nett, wir riefen bei Duschka an, inzwischen meldete sich Heinz aus Bern, nachher hörten wir Radio (beschwingte Musik, hübsches Nicolai-Duett aus Lustige Weiber), dann tranken wir Wein, Achkarren und hinterher Ahrwein, lachten viel (darf nicht mehr sagen, werde also nur noch sagen), Popitz „malte in Apokryphen“, Heisenbergs Kakerlaken, Semmelweis, und Existenzen darf ich nicht mehr sagen (unexakt), um 2 zu Bett, sehr gehoben.

    Samstag, 15/1 44 Samstag, 15/1 44. Schlief bis 10 Uhr, war trotzdem todmüde und schwach, sah um 11 Popitz in seiner Uniform zu einer Beerdigung fahren (eines Ministerialrats Richter aus seinem Ministerium, Burschenschaftler); frühstückte und fuhr mit dem Autobus nach Schlachtensee, schleppte meinen Talar mit. Dort war schon …

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